Chinas Olympia-Chose ist Geschichte, und sie ging mit Sturm, Eiseskälte und einem Feuerwerk zu Ende. Zwischendurch fiel bei den Spielen in der Corona-Blase sogar Naturschnee, was im Drehbuch der Regisseure so gar nicht eingeplant war. So allmächtig ist das Xi-Regime nicht, dass es die Naturgewalten im Griff hätte.
Die Klage des Biathleten Simon Eder nach dem finalen Schuss war dann durchaus doppeldeutig: „Es ist sehr menschenunfreundlich. Jeder ist froh, dass wir hier wegkommen.“ Mikaela Shiffrin – der programmierte Superstar, dem das Pech an den Skiern klebte – harrte indes bis zum bitteren Ende aus. Nur die norwegischen Biathlon-Brüder Bö hielten dem Wind stand: Nomen est omen! Selbst IOC-Chef Thomas Bach liefen angesichts des eisigen Empfangs des mutmaßlich gedopten russischen Eislaufkükens Kamila Walijewa durch die Trainerin nach der Kür kalte Schauer über den Rücken.
Ungerührt spielten im europäischen Teil der eurasischen Platte Wladimir Wladimorowitsch Putin und Alexander Ryhorawitsch Lukaschenko derweil Kalten Krieg. Als passionierte Eishockey-Spieler verfolgte das despotische Testosteron-Duo das Finale Russland gegen Finnland. Es sollte Vorbote der Eiszeit mit erhoffter „Finnlandisierung“ sein: Sport als Krieg mit anderen Mitteln. Am Ende quollen den russischen Cracks die Tränen aus den Augen.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2022)