Pizzicato

In der Herrensauna

Von wegen Frühlingserwachen, wie es Karl Nehammer und Wolfgang Mückstein unisono als Devise für die Corona-Öffnungspolitik ausgaben. Es mutete an wie Geisterbeschwörung.

Fehlte nur, dass sie mitten im Fasching in angestammter Verkleidung aufgetreten wären – der Gesundheitsminister im Arztkittel und der Kanzler in Offiziersuniform, was dem Zeitgeist entspräche.

Kalt, kälter, am kältesten: Das ist die politische Großwetterlage zwischen Moskau und dem Westen – besser: der freien Welt, um einen Terminus des Kalten Kriegs zu zitieren. Joe Biden stellte nun ein Treffen mit dem Fürsten des Eises und der Finsternis hinter den Kreml-Mauern in Aussicht, mutmaßlich an einem neutralen Ort.

Ideal wäre eine Sauna in Helsinki, unter Beisein Sauli Niinistös, des Präsidenten und Putin-Dolmetschs. Es wäre eine Herrensauna, womöglich mit Emmanuel Macron und Boris Johnson – letzterer wäre als Eisbrecher für die Witze zuständig. Mit zahlreichen Aufgüssen, schwitzenden Leibern, roten Köpfen und einem Schockbad im Finnischen Meerbusen als Finale. Wer gibt als Erster w. o.? Schade nur, dass die Spezialistin Angela Merkel im Klub der Mächtigen nicht mehr dabei ist. Die Nachricht vom Fall der Mauer – und dem Ende des Kalten Kriegs – hat sie just beim Jour fixe in der Sauna im Ernst-Thälmann-Bad in Prenzlauer Berg ereilt. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2022)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.