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Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Unabhängigkeit im vergangenen Sommer.
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Spurensuche

Wo oder was ist die Ukraine eigentlich?

Vor 30 Jahren zerbrach die Sowjetunion und 15 neue Staaten wurden geboren. Einer davon: die Ukraine. Doch was war dort vor der UdSSR? Und was ist da heute? Eine Identitätssuche.

Seit Jahrhunderten ist sie der Zankapfel schlechthin: die Ukraine. Vielfach wechselten die Herrschaftsansprüche, vielfach wurde versucht, eine eigenständige Identität auszubilden. Der Versuch einer Nacherzählung:

Der Anfang

Seit dem 8. Jahrhundert herrschte um das und auf dem Gebiet der heutigen Ukraine Bewegung: Skandinavische Fernhändler reisten entlang der Flüsse Dnepr und Don ins Byzantinische Reich – und vice versa. Auf ihren Wegen begegneten sie slawischen, finno-ugrischen und baltischen Stämmen, die miteinander verfeindet waren. Um die Konflikte zu beseitigen, riefen die Stämme den als neutral erachteten Edelmann Rjurik und seine Brüder Truwor und Sineus „von der anderen Seite des Meeres“, um ihre Fürsten zu sein, wie es in der „Nestorchronik“ heißt. Die drei Männer gehörten dem Stamm „Rus“ an – ein Begriff, der bald synonym für das Herrschaftsgebiet verwendet wurde.

Im Jahr 882 eroberte Rjuriks Feldherr Oleg Kiew und verlegte die Hauptstadt dorthin. Auch gen Norden und Süden wurden weitere Gebiete erobert, sodass die Rus bald den gesamten Handelsweg zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer kontrollierten. Im Westen grenzte die „Kiewer Rus“ an die baltischen Stämme und Polen, im Süden markierten die Flüsse Ros und Sula die Grenze, im Osten stieß man an das Reich der Wolgabulgaren.

Die „Blüte“

Oleg von Kiew läutete mit seinem erfolgreichen Feldzug gegen Konstantinopel im Jahr 907 die Blütezeit der „Kiewer Rus“ ein, nachdem er dem Byzantinischen Reich einen Diktatfrieden aufzwang. Zudem verstanden sich die Fürsten auf Heiratspolitik und vermählten sich in ganz Europa, woraus dynastische Verbindungen mit Norwegen, Schweden, Frankreich, England, Polen, Ungarn oder dem Heiligen Römischen Reich entstanden.

Illustration von Wladimir dem Heiligen
Illustration von Wladimir dem Heiligen(c) imago

Unter dem Großfürsten Wladimir dem Heiligen (er herrschte von 978 bis 1015) und Jaroslaw dem Weisen (1019–1054) manifestierte sich die Macht des Vielvölkerreiches (es setzte sich aus selbstständigen Teilfürstentümern zusammen) zudem in Form von Kirchen, der Errichtung der ersten ostslawischen Bibliothek und einer ersten schriftlichen Gesetzgebung („Russkaja Prawda“).

Die Größe des Reiches sollte sodann seinen Untergang einläuten: Vielfach kam es zu Überfällen durch Reitervölker wie jenes der Alanen, zugleich ließen Erbfolgestreitigkeiten das Land immer wieder in den Kriegszustand driften.

Mongolische Invasion und Zersplitterung