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Krieg in Europa? Wir hoffen weiter aufs Rote Telefon

Von „Krieg in Europa“ ist derzeit wieder oft die Rede. Das gemahnt an ein Horrorszenario, das das Tanz-auf-dem-Vulkan-Lebensgefühl der Achtzigerjahre prägte.

Olaf Scholz und Karl Nehammer warnen vor einem „Krieg in Europa“, Boris Johnson sogar vor dem „wirklich größten Krieg in Europa seit 1945“. Angst vor einem Krieg ist immer richtig und berechtigt. Doch beim Terminus „Krieg in Europa“ fasst eine ganze Generation, die großteils gar keinen Krieg selbst erlebt hat, ein längst entwöhnter Schauer: Für die große westeuropäische Friedensbewegung der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre schien das Horrorszenario „Krieg in Europa“ sehr nah, sie beschwor es auf Transparenten, in Slogans. „Besuchen Sie Europa, solange es noch steht“, sang die deutsche Band Geier Sturzflug, und die österreichischen Kollegen von Westblock raunten: „Es gibt noch Leben in Europa.“ Das war nicht nur Koketterie mit dem Schrecken. Die Angst wurde real empfunden. Sie erzeugte eine apokalyptische Grundstimmung bis ins Vergnügen hinein: Vom „Tanz auf dem Vulkan“ sang die heute als Coronamaßnahmen-Gegnerin auffällige Nena.

Europa blieb am Leben und im Frieden, wie wir wissen. Wissen wir's wirklich? Immerhin wurden von 1991 bis 2001 im ehemaligen Jugoslawien heiße Kriege geführt. Wieso hat das unsere Idee vom Krieg in Europa, der dann eben doch nicht stattgefunden habe, nicht erschüttert? Westeuropäische Arroganz, die den Balkan, allen geografischen Gepflogenheiten zum Trotz, nur als – womöglich noch nicht völlig zivilisierten – Rand Europas wahrnimmt? Vielleicht auch.

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