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Serie: Gefühlssache

Die soziokulturelle Sprengkraft der Polyamorie

Sie liebt ihn - und ihn. Er liebt ihn auch und beide lieben sie. Was kompliziert klingen mag, ist es eigentlich gar nicht. Einblicke in Herausforderungen und Glücksmomente polyamorer Beziehungen.

Liebe ist Arbeit. So schreibt es zuletzt auch Şeyda Kurt in ihrem Buch „Radikale Zärtlichkeit“. Und Liebe ist zeitintensiv. Haben polyamor lebende Menschen also mehr Arbeit? „Es ist super anstrengend mit mehreren Menschen auf dieser Ebene kommunizieren zu müssen“, sagt Psychotherapeutin Natascha Ditha Berger. Zusammen mit Rainer Gaida, Gründer der Schwelle Wien, leitet sie monatlich Polyamorie-Gruppen. „Für Menschen, die nicht monogam leben, gibt es wenig Austauschmöglichkeiten. Ich bin ein Fan von Gruppen, weil es einem selbst oft viel bringt, anderen einfach nur zuzuhören“, sagt die Therapeutin. Polyamorie ist für sie eine Form „ethisch korrekter Nicht-Monogamie“. Eine einheitliche Definition des Begriffs gäbe es bis dato nicht. Das birgt Probleme. „Begrifflichkeiten können dazu führen, dass Personen rechtlichen Schutz erhalten“, erklärt Stefan Ossmann vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Man denke an die LGBTQI+-Community, die zum Teil aufgrund der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität Minderheitenschutz erfährt.

Ossmann schrieb seine Dissertation über Polyamorie, dafür hat er auch mit Menschen gesprochen, die sich selbst als polyamor definieren. Seiner Definition zufolge handelt es sich bei Polyamorie um eine konsensuale Beziehung zwischen mehr als zwei Personen der emotionalen Liebe und intimen Praktiken zugrunde liegend, über einen längeren Zeitraum hinweg. Consent, ist dabei der Dreh- und Angelpunkt. „Eine Affäre haben, ist nicht polyamor“, sagt Therapeutin Berger.

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