Als maximale Negativfolge kann man sich derzeit die insgesamt 30 Millionen Euro Ertragsbeitrag im Jahr aus beiden Ländern vorstellen.
Der in der Ukraine und in Russland vertretene UNIQA-Versicherungskonzern hat für seine Tochter in Kiew bereits vorweg alle möglichen Vorkehrungen für eine Fortführung der Geschäftstätigkeit und die Sicherheit der Belegschaft getroffen. Das betrifft auch die Datensicherheit und die Möglichkeit einer Notfall-Kommunikation via Satellit. Als maximale Negativfolge kann man sich momentan die zusammen 30 Millionen Euro Ertragsbeitrag im Jahr aus beiden Ländern vorstellen.
Die Ukraine, wo die UNIQA mit 150 Millionen Euro Prämienvolumen die Nummer 2 ist, bringt dem Konzern mit insgesamt 6,36 Milliarden Euro Einnahmen zehn bis 15 Millionen Euro Ergebnisbeitrag, im Falle Russlands mit 75 Millionen Prämie waren es im Schnitt der letzten Jahre 20 Millionen Euro. Ein Ertragsverlust dieser 30 Millionen Euro sei das Maximum, was man derzeit als mögliche Negativfolge sehen könnte, meinte Konzern-Finanzvorstand Kurt Svoboda am Donnerstag im Bilanzpressegespräch.
Insgesamt ist die UNIQA laut Svoboda in der Ukraine mit 150 Millionen Euro in Assets investiert, in Russland mit weiteren 350 Millionen Euro. Würde das ausfallen, was man aber nur als ein "Worst-worst-case-Szenario" ansehe, gingen diese Beträge erst einmal gegen das Eigenkapital der Gruppe und nicht gleich in die Gewinn- und Verlustrechnung. Selbst wenn beispielsweise die 150 Millionen in der Ukraine komplett verloren gingen, die dort als Assets in Staatsanleihen oder als Bargeld vorhanden seien, würde das zunächst zu über 90 Prozent gegen das Eigenkapital der UNIQA gehen, rechnete Svoboda vor. Der wirtschaftliche Einfluss auf die UNIQA wäre jedoch dank der guten Kapitalausstattung "verkraftbar", so der Finanzvorstand.
Humanitäre Situation bereitet Sorgen
Wirklich Sorgen bereitet der UNIQA aber, wie Generaldirektor Andreas Brandstetter und CFO Svoboda betonten, die humanitäre Situation aufgrund des Angriffs Russlands gegen die Ukraine. Brandstetter sprach von einer "demokratiepolitischen und humanitären Tragödie" und einer "Katastrophe". Für die Sicherheit der 850 Mitarbeiter in der Ukraine habe man mittels Homeoffice und andere Plattformen vorgesorgt, für das Geschäft auf genug Liquidität geachtet und sich um Datensicherheit gekümmert, so Svoboda. Sollten die Telekomverbindungen abgeschnitten werden, könne man auf Satelliten ausweichen.
Was die Sanktionen des Westens gegen Russland betrifft, gebe es keine dort angesprochene Person im Portfolio der UNIQA, sagte Svoboda. Von den generellen Sanktionen sei man also nicht betroffen. Sollte Russland vom internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift gekappt werden, werde es wohl "schwierig, aber nicht unlösbar". Möglich seien dann Abwicklungen über Rückversicherungen und das Asset-Management. Auch das sei also "kein Worst-case-Szenario".
Die UNIQA-Aktien lagen an der Wiener Börse um 12.15 Uhr um 5,71 Prozent tiefer - jene der nur in der Ukraine und nicht in Russland tätigen VIG um 3,82 Prozent unter dem Vortagesschluss. Der Leitindex ATX markierte zeitgleich bei minus 7,02 Prozent sein Tagestief.
(APA)