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Christoph Chorherr als heimlicher Planungsstadtrat

(c) Michaela Bruckberger
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Wer bei den Grünen auf- und absteigt – und warum nun plötzlich wieder Renate Brauner als Nachfolgekandidatin Michael Häupls gilt.

Maria Vassilakou hat sich ein ambitioniertes Ressort ausverhandelt. Neben der Stadtplanung und dem sensiblen Bereich Verkehr hat sie auch noch als Grünen-Kernthemen die Energie, sprich den Klimaschutz, erobert. Dass Michael Häupl übrigens die Citymaut bei der vergangenen Volksbefragung quasi ablehnen ließ, hilft den Grünen nun, obwohl sie die Art der Fragestellung damals heftig kritisierten. Wenn eine Mehrheit dagegen war, kann es eine Stadtregierung doch nicht mehr einführen, lautet nun die neue Linie.

Interessanterweise ist Vassilakou bei allen drei Themen nicht gerade die Expertin ihrer Partei, mit Integration und Bildung hätte sich die studierte Dolmetscherin (Deutsch, Englisch, Französisch) und Ex-Mitarbeiterin der Hochschülerschaft leichtergetan.

Kein Wunder also, dass Vassilakou, die nebenbei Partei und Bezirksgruppen auf Linie halten muss und mit dem mächtigen „Koalitionspartner“ SPÖ beschäftigt sein wird, fachliche Hilfe braucht. Logischer Kandidat, für den auch ein Platz im neuen Stadtratsbüro geschaffen werden soll: Christoph Chorherr. Der Ex-Klubobmann und Bundesparteichef kennt sich sowohl in der Stadtplanung und im Verkehr als auch vor allem bei Klimaschutz-Maßnahmen aus – aus streng grüner Sicht natürlich. Eigentlich hätte Vassilakou mit Sabine Gretner eine Architektin und weitere Spezialistin für Stadtplanung an der Hand. Die Gemeinderätin hatte etwa Grete Laskas Millionendebakel am Prater-Vorplatz aufgedeckt. Man darf gespannt sein, ob Gretner auch in Vassilakous neuem Ressort die Altfälle untersuchen darf. Und: wie die SPÖ auf Gretner reagieren wird.

Bei den Sozialdemokraten gibt es übrigens ebenfalls interessante Machtverschiebungen. Dass Michael Ludwig den Titel und die Position des Vizebürgermeisters an Vassilakou abgeben musste, wurde von den Rathaus-Auguren mit großem Interesse beobachtet. Immerhin räumte man dem freundlichen Wohnbaustadtrat zuletzt mehr Chancen ein als Renate Brauner, die auf Veranstaltungen schon manchmal mit Frau Bürgermeisterin begrüßt wird. Dass sie im Hintergrund deutlich für Rot-Grün warb, dürfte ihre Chance auf das Erbe Häupls intakt halten. Ein anderer, der immer wieder genannt wird, ist Christian Oxonitsch. Er wird zwar im Gegensatz zu Ludwig als Rot-Grün-Verbinder gehandelt, die gerade Hochkonjunktur haben, aber ohne politischen Reifungsprozess traut man ihm das Amt noch nicht zu. Wie sich natürlich der Bürgermeister überhaupt jedwede Nachfolgedebatte verbittet und bei entsprechenden Journalistenfragen auch durchaus ungehalten werden kann. Immerhin hätten manche Medien bereits zu Beginn der vergangenen Legislaturperiode über seine Amtsübergabe spekuliert, heißt es dazu im Rathaus. Und: Wenn die rot-grüne Regierung so weitergehe, wie sie begonnen habe, bleibe er vielleicht bis zum Ende... Das nur so als Drohung.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2010)