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Gegengift

Kriegstreiber erkennt man stets an ihren Worten

Wladimir Putin, einst gepriesen als "lupenreiner Demokrat".
Wladimir Putin, einst gepriesen als "lupenreiner Demokrat".APA/AFP/KREMLIN.RU/HANDOUT
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Wladimir Putin macht tatsächlich, was von ihm zu erwarten war. Reden von Tyrannen soll man ernst nehmen.

An sich geht es in unserem panslawischen Lesezirkel mit dem Decknamen „Aufzeichnungen aus einem toten Haus“ friedlich zu. In dieser sehr speziellen Gegengift-Sektion diskutieren wir an ruhigen Tagen darüber, ob der Satzbau in Leo Tolstois „Sewastopoler Erzählungen“ komplexer sei als der in Wassili Grossmans gedankenschwerer Prosa „Alles fließt“. Diese Woche aber waren unsere naiven Putin-Exegeten beunruhigt.

Nein, damit sind nicht jene gemeint, die Verständnis für den einstigen roten deutschen Kanzler Schröder hätten, der den russischen Staatspräsidenten wiederholt als „lupenreinen Demokraten“ pries. So viel Charakterlosigkeit ist in unserem Klub in Erdberg nicht erwünscht. Sie fragten auch nicht, welcher rote/schwarze/blaue Ex-Politiker sich hierzulande am tiefsten vor dem Ex-KGB-Chef gebückt habe. Dafür sind diese Typen in Moskaus Sold nicht wichtig genug. Nein, unsere Exegeten fragten ernsthaft, was in seinem Kopf vorgehe. Sie seien bei dem Versuch, das Endspiel Putins zu verstehen, kläglich gescheitert, gaben sie kleinlaut zu.

Die aufgeklärten Bulgakow-Jünger beruhigten sie: Träume von Psychopathen muss man nicht deuten. Ihre Intentionen sind auch ohne Therapie gar nicht so schwer zu erkennen. Man muss nur jene Texte genauer lesen, die potenzielle Eroberer in den Tagen, Wochen und Monaten von sich geben, ehe sie ihre Armeen im Krieg morden und verrecken lassen.