Pizzicato

Kleinlaute russische Zivilcourage

In Zeiten, in denen Städte wie Charkiw und Cherson als Kriegsschauplätze traurige Berühmtheit erlangen und ukrainische Frauen Molotowcocktails basteln, wäre von Lieblingen des Regimes in Moskau zumindest ein Mini-Akt von Zivilcourage gefragt.

Anders als von Anna Netrebko, der glutvollen Primadonna, die sich zum 50er im Kreml feiern hatte lassen, war von Valery Gergiev, dem seelenvollen Maestro, zunächst kein kritischer Ton zu Putins Krieg zu vernehmen. Hat es ihm die Stimme verschlagen? Fürchtet er eine Dissonanz zum Zaren? Oder gar einen Schwanengesang?

Couragierter präsentierten sich indessen russische Tennisstars. Daniil Medwedew, der mit Dmitri Medwedew – dem Putin-Vasall und Ex-Statthalter im Kreml – nur den Nachnamen teilt, ging nicht nur geografisch auf Distanz. Als er im fernen Acapulco jüngst zur Nummer eins aufstieg, ließ er wissen, es gebe Wichtigeres als Sport.

Selbst Alex Owetschkin gab sich kleinlaut als Pazifist zu erkennen. Der vierschrötige Eishockey-Crack, der für die Washington Capitals NHL-Rekorden nachjagt, gilt als Posterboy Putins. Im Wahlkampf gründete er einst „Team Putin“, und er rühmt sich, die Telefonnummer des Kriegsherrn zu besitzen. Um zu ihm durchzudringen, müsste „Ovi“ alias „Alexander der Große“ jetzt wohl mit dem Puck mit Karacho die Kreml-Fenster zerschmettern. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2022)

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