Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

In ihrem Sammelband vereint Raich unterschiedliche Ansprüche und Formen.
Premium
Textsammlung

Autorin Tanja Raich: „Die Wut wird größer“

In ihrer Anthologie „Das Paradies ist weiblich“ lädt die Autorin Tanja Raich ins Matriarchat. Wut treibt sie an.

Wie es sich mit dem Pa­triarchat verhält, ist Tanja Raich erst nach und nach bewussst geworden. „Ich beobachte das an Frauen meiner Generation: Am Anfang ist die Unwissenheit, dann kommt die Wut, und irgendwann ist die Wut so groß, dann zettelt man etwas an.“ Hat man beruflich mit Büchern zu tun, dann bezieht sich das Anzetteln bestenfalls auf beschriebene Seiten, und so ist es auch in diesem Fall. Das Thema Matriarchat begleitet sie schon länger, in einer Arbeitspause während Corona beschließt sie, die Herausgabe jetzt anzugehen: „Die Wut wird größer, je älter man wird, aber die Wut kann ja sehr konstruktiv sein.“ 20  Texte loten in „Das Paradies ist weiblich“ Möglichkeiten des Matriarchats aus, laden ein „in eine Welt, in der Frauen das Sagen haben“. Unter den Beitragenden finden sich Namen wie Gertraud Klemm, Sophia Süßmilch, Mithu Sanyal oder Nicolas Mahler.

Vom Comicstrip über theoretische Essays, von intimen Erzählungen über Freundschaft oder Famile bis hin zum Dramolett wird dabei einiges an literarischer Form bedient. Auch der Begriff des Matriarchats wird ähnlich weit aufgemacht, die Möglichkeiten reichen von „Queertopia“ über Geschlechtsumwandlungen in der Tierwelt bis hin zur literaturkritischen Bücherschau. „Jeder Text hat unterschiedliche Ansprüche, eine Anthologie soll ja wirklich ein Kunststück werden.“

Konstruktive Wut

Wie konstruktiv Raichs Wut tatsächlich ist, zeigt sich nicht nur im Endprodukt, sondern auch in ihrer Herangehensweise: „Ich hätte ja auch ein Buch machen können, das thematisiert, wie schlimm das Patriarchat ist, das wollte ich eben nicht. Deswegen hab’ ich mir gedacht, schauen wir einfach woanders hin, und vielleicht können wir wirklich etwas nachhaltig verändern.“ Dahinter steht der Wunsch nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Begriff des Matriarchats. „Ein provozierendes Buch, in dem man sagt, hier schreiben nur Frauen, und wir machen jetzt das Matriarchat und schließen Männer aus, das wollte ich nicht. Ich wollte alle an einen Tisch setzen und überlegen, wie die Zukunft aussieht.“