Pizzicato

Gold für Alexej Nawalny

Nils van der Poel ist ein bemerkenswerter junger Mann.

Dass der 25-jährige Schwede mit dem holländischen Familiennamen bei Olympia die übermächtige niederländische Konkurrenz deklassiert hat und im Eisschnelllauf über die Langstrecken zwei Mal zu Gold flitzte, macht ihn zu einem überragenden Sportler.

Fast bemerkenswerter ist, dass er neulich einen chinesischen Dissidenten würdigte und dessen Tochter seine Goldmedaille überreichte. Gui Minhai, Hongkong-Chinese mit schwedischem Pass, sitzt in einem chinesischen Gefängnis, weil er als Autor und Buchhändler Kritik an China übte. Das Regime hat ihn 2015 aus einem Ferienhaus in Thailand entführt und machte kurzen Prozess.

Es ist nicht so, dass wir vor lauter Putin-Bashing den Schurkenstaat China vergessen würden. Nur eins noch: Wenn das Beispiel Schule machen würde, wäre die Welt vielleicht kein besserer Ort, aber ein sympathischerer. Wie wäre es – nur so als Idee –, würde der russische Langläufer Alexander Bolschunow eine seiner drei Goldenen dem Kreml-Kritiker Alexej Nawalny widmen? Der Olympionike, geboren an der ukrainischen Grenze und de facto mit Rennverbot belegt, müsste sich wohl aus dem Staub machen, um nicht Nawalnys Schicksal zu erleiden. In Schweden fände er Exil. Dort sind die Loipen womöglich ohnehin besser – und die Luft ist freier. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2022)

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