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Energie

Nord Stream 2-Gesellschaft insolvent – auch OMV betroffen

APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ
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Der Schweizer Kanton Bern bestätigt die Insolvent der Eigentümergesellschaft. Die heimische OMV dürfte Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe vornehmen müssen. Der Konzern sagt den Einstieg beim Gazprom-Erdgasfeld in Sibirien ab.

Nach dem Aus für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ist die schweizerische Eigentümergesellschaft Pleite. Der Schweizer Kanton Bern bestätigte am Dienstagabend die Insolvenz. Die Nord Stream 2 AG arbeite mit Finanzberatern derzeit daran, Teile ihrer Verbindlichkeiten zu ordnen, und könnte noch in dieser Woche offiziell in der Schweiz einen Insolvenzantrag stellen, hatten zuvor bereits zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters gesagt.

Die Arbeitsverträge mit den mehr als 140 Mitarbeitern am Firmensitz in Zug hat Nord Stream 2 bereits gekündigt, wie das Unternehmen am Dienstag bestätigte. Das sei die Konsequenz der US-Sanktionen gegen das Unternehmen. Schon am Montagabend hatte der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin über die Kündigungen berichtet.
Die Insolvenz der Betreibergesellschaft dürfte auch spürbare Auswirkungen für die heimische OMV haben. Diese hat mit einem Kredit von rund 730 Mio. Euro einen Teil der etwa zehn Mrd. Euro teuren Pipeline finanziert. Vertragspartner war dabei dei Schweizer Gesellschaft. Bei der OMV heißt es auf Anfrage, dass man die aktuelle Situation zur Zeit genau prüfen müsse.

Und seitens der OMV gibt es weitere Konsequenzen: Wie von der „Presse“ bereits angekündigt, hat der Vorstand am Dienstagabend beschlossen, die Verhandlungen mit Gazprom über den möglichen Erwerb einer 24,98 Prozent Beteiligung an den Blöcken 4A/5A der Achimov-Formation des Urengoi-Erdgas- und Kondensatfelds nicht weiterzuführen und das Basic Sale Agreement vom 3. Oktober 2018 zu kündigen.

Bisher kein Abschreibungsbedarf

Bisher sah die OMV keinen Abschreibungsbedarf für die Beteiligung an der Leitung. Laut Konzernchef Alfred Stern erhielt die OMV im vergangenen Jahr auch bereits erste Rückzahlungen ihres Kredits – obwohl die Leitung noch nicht in Betrieb ist.

Die Insolvenz der Schweizer Gesellschaft würde hier jedoch zu einer völlig neuen Situation führen. Zwar könnte deren Mutter Gazprom auch direkt die Verpflichtungen übernehmen und der OMV das Geld zurückzahlen. Es ist jedoch fraglich, ob der russische Staatskonzern angesichts der aktuellen politischen Lage bereit ist, Verbindlichkeiten einer insolventen Tochter einfach so zu übernehmen. Zuletzt wurde ja die Rhetorik gegenüber ausländischen Unternehmen in Russland eher rauer. So drohte der Putin-Vertraute Dmitri Medwedew am Wochenende ganz unverhohlen mit Verstaatlichungen.

Der OMV dürften nun also doch noch hohe Abschreibungen für das Nord Stream 2-Exposure ins Haus stehen. Die bilanzielle Forderung könnte dabei um einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag gekürzt werden müssen.

Nord Stream 2 gehört dem staatlichen russischen Gaskonzern Gazprom. Das Projekt war aber zur Hälfte von den Energie- und Ölriesen Shell, OMV, Engie, Uniper und Wintershall DEA finanziert worden. Russland wollte mit der 1230 Kilometer langen Pipeline durch die Ostsee die Kapazität der Erdgas-Lieferungen nach Deutschland verdoppeln. Nord Stream 2 ist fertig, die deutsche Regierung hatte aber die Inbetriebnahme wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine auf Eis gelegt.“

(jaz/Ag.)