Der Ukraine-Krieg nimmt Präsident Joe Biden in Beschlag. Seine „Rede zur Lage der Nation“ sollte im Land Aufbruchstimmung vermitteln. Seine Umfragewerte sind massiv eingebrochen.
Kaum ein Staatschef kennt Wladimir Putin länger als Joe Biden, kaum ein Präsident weiß besser Bescheid über die Ukraine als der Sonderbeauftragte Barack Obamas im Zuge der Krise von 2014. In seinen Memoiren beschreibt Biden seine Visite als Obama-Vize 2011 im Kreml bei Putin. In Anspielung auf ein Zitat George W. Bushs 2001 in Slowenien bei dessen erstem Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten habe er gesagt: „Ich habe Ihnen in die Augen gesehen, und ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben.“ Worauf Putin trocken replizierte: „Wir verstehen einander.“
In der Nacht auf Mittwoch stand die sogenannte State of the Union, die jährliche Rede des US-Präsidenten zur Lage der Nation im Kapitol, im Zeichen des Ukraine-Krieges. Biden, der außenpolitische Veteran, schien in seinem Element. Der 79-Jährige, ein Kind des Kalten Krieges, sieht sich ein wenig in der Position John F. Kennedys in der Kuba-Krise vor bald 60 Jahren – obwohl die USA dem atomaren Bedrohungsszenario durch den Kreml-Chef offiziell vorerst wenig Beachtung schenken. „Biden kommt von der Venus, Putin vom Mars“, charakterisierte ein früherer Chef des CIA-Büros in Moskau die beiden Antagonisten.