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Ukraine-Krieg

Immer mehr Ölkonzerne kündigen Rückzug aus Russland an

imago images/ITAR-TASS
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Der US-Ölriese und die italienische Eni folgen den Konkurrenten BP und Shell, die in den vergangenen Tagen ebenfalls die Aufgabe von Ölgeschäften in Russland angekündigt hatten. Die OMV sagt den Einstieg bei einem Gazprom-Erdgasfeld in Sibirien endgültig ab

Ein Energieunternehmen nach dem anderen gibt seine Projekte mit Russland auf. ExxonMobil will sein Öl- und Gasfördergeschäft in Russland wegen der russischen Invasion in die Ukraine aufgeben. "Wir verurteilen Russlands militärische Aktionen", erklärte der größte US-Ölmulti in einer Mitteilung vom Dienstagabend (Ortszeit). Das Unternehmen unterstütze die Menschen in der Ukraine und spreche sich für eine starke internationale Reaktion gegenüber Russland aus.

Der Ausstieg aus dem gemeinsam mit dem russischen Rosneft-Konzern sowie indischen und japanischen Partnerfirmen betriebenen Öl- und Gasförderprojekt Sachalin-1 in Russland werde sorgsam und in enger Abstimmung mit den anderen Unternehmen durchgeführt, kündigte Exxon an. Auch Investitionen in neue Projekte in Russland lehne der US-Konzern angesichts der aktuellen Situation bis auf Weiteres ab.

Exxon folgt mit dem Rückzug aus Russland den Konkurrenten BP und Shell, die in den vergangenen Tagen ebenfalls die Aufgabe von Ölgeschäften dort angekündigt hatten. Für die Unternehmen dürfte der Ausstieg sehr teuer werden. Exxon machte zu den Kosten zunächst keine Angaben, es dürfte um Milliarden gehen. Der US-Konzern ist seit Jahrzehnten in Russland und hält 30-Prozent am Sachalin-1-Projekt.

Die französische Total gab in einer Erklärung an, "kein Kapital mehr für neue Projekte in Russland bereitzustellen". "TotalEnergies unterstützt den Umfang und die Stärke der von Europa verhängten Sanktionen und wird sie ungeachtet der derzeit noch zu prüfenden Folgen für seine Aktivitäten in Russland umsetzen", hieß es.

OMV verzeichet auf Zukauf in Sibirien

Der österreichische Öl-, Gas und Chemiekonzern OMV hat den möglichen Erwerb von Anteilen an zwei Blöcken eines großen Erdgas- und Kondensatfelds in Russland endgültig abgesagt. Das hat der OMV-Vorstand am Dienstag beschlossen. Die Verhandlungen mit der russischen Gazprom über den möglichen Kauf einer 24,98-prozentigen Beteiligung an den Blöcken 4A/5A der Achimov-Formation des Urengoy-Felds in Sibirien würden nicht weitergeführt, hieß es am Abend.

Das diesbezügliche Basic Sale Agreement vom 3. Oktober 2018 werde aufgekündigt, wurde am Abend in einer kurzen Aussendung erklärt. Der Deal stand nach Einschätzung von Beobachtern schon länger auf der Kippe. Ursprünglich war bereits bis Ende 2019 die Unterzeichnung eines Kaufvertrags geplant. Dann wurde im März 2020 überraschend mitgeteilt, dass sich die Verhandlungen bis 2022 hinziehen könnten und dass auch der Kaufpreis nicht mehr fix sei.

Zunächst hatten OMV und Gazprom einen Asset Swap im Auge gehabt, doch legte sich Oslo von Anfang an gegen den Einstieg der Russen bei der OMV in Norwegen quer. Im Oktober 2018 wurde der geplante Beteiligungsabtausch für gescheitert erklärt, die OMV sollte sich stattdessen mit Cash ins Urengoy-Feld einkaufen. Der Preis wurde im Juni 2019 mit 905 Mio. Euro fixiert. Im März 2020 wurde mitgeteilt, dass OMV und Gazprom die finalen Verhandlungen bis Juni 2022 verlängern, jedoch "auf nicht-exklusiver Basis". Auch der früher genannte Kaufpreis war nicht mehr so fix. Es seien noch "wesentliche Entwicklungen und geänderte Umstände bis zur Unterzeichnung" zu berücksichtigen. Das gelte für den geplanten Produktionsstart der Blöcke, für den wirtschaftlichen Stichtag des Deals und den Kaufpreis.

Eni verkauft Pipeline-Anteile

Der italienische Energiekonzern Eni will seinen Anteil an der Blue-Stream-Gaspipeline verkaufen, an der er zusammen mit dem russischen Riesen Gazprom beteiligt ist.

"Was die gemeinsame und gleichberechtigte Beteiligung mit Gazprom an der Blue-Stream-Gaspipeline, die Russland mit der Türkei verbindet, betrifft, beabsichtigt ENI den Verkauf seines Anteils", erklärte der italienische Energiekonzern in einer Presseaussendung.

Die derzeitige Präsenz von Eni in Russland sei marginal. Die bestehenden Joint Ventures mit Rosneft, die an Explorationslizenzen in der Arktis gebunden sind, seien bereits seit Jahren eingefroren, auch wegen der 2014 nach der Annexion der Krim gegen Moskau verhängten internationalen Sanktionen.

Blue Stream ist eine der wichtigsten internationalen Gaspipelines, die Gas von Russland über das Schwarze Meer in die Türkei transportiert. An dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden ist Eni zusammen mit Gazprom zu jeweils 50 Prozent beteiligt. Die Transportkapazität beträgt 16 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.

(APA/dpa)