Pizzicato

Wodka, Wein und Wahrheit

In Teilen der USA ist die Ära der Prohibition nicht vergessen. Manche republikanische Gouverneure zögerten nach dem russischen Überfall auf die Ukraine dann auch nicht lang mit einer Strafaktion.

Sie ordneten an, Wodkaflaschen aus den Regalen zu verbannen. Tom Cotton, republikanischer Senator aus Arkansas, verfiel gar auf die Idee, die leeren Flaschen in die Ukraine zu schicken, um sie als Molotowcocktails einer anderen Verwendung zuzuführen. Es ist ein Exempel für amerikanischen Pragmatismus. Enttäuschenderweise stellte sich heraus, dass nur ein Prozent des Wodka-Imports in die USA aus Russland stammt. Ein Sturm im Wasserglas.

Als sich Jacques Chirac 2003 weigerte, mit George W. Bush in den Irak-Krieg zu ziehen, sabotierten viele französischen Wein und bezeichneten „Frech Fries“ – auf gut Deutsch: Pommes frites – als „Freedom Fries“. Längst sind die USA und Frankreich wieder im besten Einvernehmen, und ihre Politiker stoßen mit französischem Rotwein auf ihre Freundschaft an – bis auf Joe Biden und Donald Trump, die strikte Abstinenzler sind. Nicht nur in der Fastenzeit.

Wenn es denn stimmt, dass im Wein die Wahrheit liegt und man den Dingen auf den Grund gehen soll, sind es wahrlich keine Fake News, dass Trump sein Weinglas mit Cola Light füllen lässt – wie im Übrigen auch Markus Söder seinen Weißbierkrug. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2022)

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