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Gastkommentar

Warum Europa Putin mit aller Härte entgegentreten sollte

Proteste gegen Putin in Rom
Proteste gegen Putin in RomAPA/AFP/VINCENZO PINTO
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Bei allen Unterschieden sollte das demokratische Europa heute Lehren aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ziehen.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

Wir leben in surrealen Zeiten. Nach Wirtschaftskrisen, humanitären Flüchtlingskatastrophen und einer globalen Pandemie sind wir dieser Tage Zeugen eines lange als unvorstellbar geglaubten großflächigen Krieges in Europa. Wir erleben gerade das Ende einer komfortablen Blase, in der sich Mittel- und Westeuropa jahrzehntelang befunden haben und in der wir uns lange Zeit sehr sicher fühlen konnten. So stellte auch der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz unlängst fest, dass die Welt „nicht mehr dieselbe sein wird wie davor.“ Dem kann man angesichts der massiven existentiellen Krisen des vergangenen Jahrzehnts nur zustimmen. Der sogenannte „Westen“, die Demokratien Europas, Nordamerikas und des pazifischen Raums, dominiert längst nicht mehr die Weltpolitik, daneben gibt es weitere globale Akteure mit gänzlich anderen Wertesystemen. Vieles, das wir uns im Verlauf der letzten Jahrzehnte in Europa konfliktreich erarbeitet hatten und das für uns selbstverständlich wurde, wird nun in Frage gestellt. Auf universale Werte (Menschenrechte, Völkerrecht, Sicherheit und Menschlichkeit) zu achten, wird eine große Herausforderung für die demokratische Welt. Welche Antworten wir darauf finden, wird entscheidend sein. Einmal mehr zeigt sich die Bedeutung einer Europäischen Union, die in den letzten beiden Jahrzehnten oft genug als gescheitert abgeschrieben wurde, als Verbund, Sprachrohr und Aktionsinstrument der demokratischen Staaten Europas.

Seit dem 24. Februar befinden wir uns in Europa im Krieg. An den Schauplätzen in der Ukraine, an denen vor 80 Jahren Millionen Menschen starben – darunter auch unzählige Opfer des Holocaust – wird wieder gekämpft. Einmal mehr fällt ein schwer bewaffneter Aggressor mit revisionistischen, imperialistischen Motiven über seine Nachbarn her. Einmal mehr wird Europa in Leid, Zerstörung und Vernichtung gestürzt. Die Folgen sind in ihrer ganzen Konsequenz noch nicht vorherbestimmt. Wie das demokratische Europa heute reagiert, wird den weiteren Verlauf der Geschichte allerdings mitentscheiden.