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Interview

Lenzing-Chef Prinzhorn: "Österreich hat keinen Industrievorteil"

Aus der Beteiligung am Skandal-Maskenhersteller Hygiene Austria hat Lenzing-Chef Prinzhorn gelernt: Bleibe beim Kerngeschäft.Clemens Fabry
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Lenzing hat am Mittwoch in Thailand das größte Werk für Lyocell-Fasern eröffnet. Die sind laut Konzernchef Cord Prinzhorn das grünste Produkt in der Textilwirtschaft. Österreich sei anderen Industriestandorten gegenüber im Nachteil.

„Die Presse“: Man kennt Bilder aus der südamerikanischen Atacama-Wüste, wo sich Textilabfälle türmen. Der Baumwollanbau verbraucht viel Wasser und Fläche. Jetzt nehmen Sie in Thailand das weltweit größte Werk für nachhaltige, holzbasierte Lyocell-Fasern in Betrieb. Ist das die Zukunft der Textilindustrie?

Cord Prinzhorn: Lyocell ist das nachhaltigste Produkt in der Textilindustrie und wird es auch noch lang bleiben. Alternative Produkte wie Baumwolle können nicht mithalten, weder was den Wasserverbrauch betrifft, den Pestizideinsatz, den Flächenbedarf noch beim CO2-Ausstoß. In Thailand haben wir rund 400 Millionen Euro investiert, wir haben dort 300 Mitarbeiter und produzieren 100.000 Tonnen Lyocell, großteils für den Textilbereich. Das ist ein extrem wichtiger Wachstumsschritt für uns, um die Marktführerschaft zu behalten. Wir erhöhen unsere Produktion um rund 30 Prozent.

Welches Holz verwenden Sie für Lyocell?

Je nach Region vor allem Buche und Eukalyptus, gänzlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Diese Hölzer sind sehr stark nachwachsend und auch kein Konkurrenzprodukt. Sie nehmen niemandem etwas weg. In Thailand versorgen wir uns zudem mit Energie aus Biomasse. Das neue Werk – übrigens das größte seiner Art weltweit – verursacht kaum bis gar keine Emissionen.

Warum Thailand?

Der Markt ist regional und sehr kundenorientiert. Der Qualitätsanspruch ist für uns sehr hoch und wir können ihn dort erfüllen. Die Leute, die wir gefunden haben, aber auch die Infrastruktur und die Energieversorgung sind sehr interessant. Dazu kommt, dass der Industriepark in Thailand proaktiv nach einer Ergänzung mit einem guten ökologischen Fußabdruck gesucht hat. Das hat gut gepasst.