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Inklusiver Medienraum

"Der alte weiße Mann wurde entmenschlicht"

Um gegen das Patriarchat anzukommen, brauche es einen "Reset".
Um gegen das Patriarchat anzukommen, brauche es einen "Reset".T.G.W.E.
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Mit „TheWildGoldenEgg“ bekommt der deutschsprachige Raum eine Plattform, mit der das Patriarchat verlernt werden soll. Auf die sanfte Tour.

„Der Gender-Pay-Gap ist ja nur das Augenscheinlichste“, sagt Sabine Sikor-Petz, Herausgeberin des Mediums „TheWildGoldenEgg“, am Beginn des Gesprächs. Vor zwei Jahren entstand die Idee zum digitalen Raum, seit einem Jahr produziert das 15-köpfige, hauptsächlich queere Team Inhalte. Podcasts, Artikel und Videos sind direkt auf der Webseite thewildgoldenegg.com sowie auf dazugehörigen Social-Media-Accounts zu finden. Man arbeitet mit Künstlerinnen, Autoren und Forscherinnen zusammen. Am 8. März - dem „Muttertag des Feministischen“, wie Sikor-Petz ihn nennt - erscheint der digitale Medienraum nun. Dort soll es zunächst um (sexuelle) Gewalt gehen und fortan starre Denkmuster verlernt werden.

„Das System ist kaum zu erkennen, wenn man selbst drinnen ist“, sagt die Herausgeberin. Der erste Punkt auf der Agenda der Plattform sei deshalb, das Unbewusste ins Bewusste zu holen. Das Wort „bekämpfen“ will man vermeiden. Eher soll die Geschichte erforscht werden, auch das Fehlen der weiblichen. „Die ist ja quasi unerzählt“, sagt Sikor-Petz. Bei der Plattform gehe es aber nicht um das Verhältnis zweier Lager oder die Verurteilung des einen. Männer sieht sie ebenso als Opfer des Patriarchats: „Männer wurden entmenschlicht, sie wurden um ihre emotionale Seite betrogen.“ Das System, sagt sie, seien alle - Männer wie Frauen und alle dazwischen.

Erlernt und geprägt

„Man kann alles wieder verlernen“, so die Herausgeberin, „durch ständiges Wiederholen werden alte Denkmuster überschrieben.“ Das System soll damit dekonstruiert werden. Und zwar mittels multimedialer Formate - darunter Interviews, Features, Talk-Runden, Videoreportagen. Bekannte, aktionistische Autorinnen Mithu Sanyal („Vulva: Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“) oder Evke Rulffes („Die Erfindung der Hausfrau - Geschichte einer Entwertung“) tragen ihre Expertise dazu bei. Ebenso die Patriarchatsforscherin Alexandra Schwarz-Schilling und Philipp Siefer, Gründer von Einhorn, eine Marke für nachhaltige Periodenprodukte und Kondome. Letzterer wird sich unter anderem mit dem Begriff der toxischen Männlichkeit befassen. „Wir wollen Menschen zeigen, die aus den engen Narrativen unserer Gesellschaft ausbrechen, Vordenkerinnen und Vordenker“, sagt Sikor-Petz.

Weg vom Denken in Kategorien - das ist die Devise der Plattform. Alle sind willkommen - „quer durch Alter und Geschlecht“, heißt es vonseiten der Herausgeberin. Mit „Toni says“ bekommt etwa ein 87-Jähriger ein eigenes Format, die 18-jährige Tik-Tokerin Malentschi wird via Instagram mit Jüngeren in Kontakt treten. Man deckt also eine durchaus große Bandbreite ab, mit unterschiedlichen Zugängen.

Weiblich oder nicht weiblich

Jahrtausende lang wurde Frauen vermittelt, sie seien weniger wert als ein Mann. Ein Mann, der über „weibliche“ Charaktereigenschaften verfügte, sei weniger wert als andere. Immer noch werden die „engen Narrative“ von denen Sikor-Petz spricht, in Filmen, Büchern und Medien reproduziert. „Was wir unter ,weiblich' verstehen, ist ja gar nicht das Weibliche“, sagt sie, „Und die Unterdrückungskultur, die mit den Vorstellungen einhergeht, zieht sich durch das gesamte System.“ Vonseiten der Politik würden oft nur Symptome bekämpft werden, nicht aber die Ursachen. Es sei schon lange an der Zeit für ein Reframing, findet Sikor-Petz. „TheWildGoldenEgg“ soll dazu beitragen.

 

Mehr Infos

Zur Medienplattform: thewildgoldenegg.com

Instagram: @thewildgoldenegg