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Der Häschen-Mann ist gar nicht arm

Nun ist es wieder mehr schwarz-weiß. Für die bunten Momente muss man selber sorgen.APA/REINHARD HÖRMANDINGER
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Ablenkung tut gut: Sich einen Spaß zu erlauben, selbstzerstörerische Kalorien auf den Teller zu laden.

Ein Faschingsdienstag umrahmt von Pandemie und Krieg hat einen eigenen Zauber. Als ein Verkäufer im plüschigen rosa Häschenkostüm um meine Wünsche fragt, würde ich am liebsten weinen. Er schwitzt unter den samtigen Hasenohren. Früher verspürte ich im Fasching oft Mitleid mit Mitarbeitern im Handel, die sich offenbar auf Wunsch der Geschäftsführung verkleidet hatten. Nun aber trifft mich die Erkenntnis wie ein Schlag: Der Häschen-Mann ist gar nicht arm. Er wirkt sogar sehr fröhlich.

Arm ist vielleicht, wer ihn bisher nie verstanden hat, den Eskapismus eines Faschingsdienstags, der allen etwas erlaubt, was sonst zu unterlassen ist. Diesmal spürt es sich anders an, nicht wie ein Zwang, lustig zu sein, als vielmehr die Freiheit, sich einen Spaß zu erlauben. Trotz allem. Aber nun ist ohnehin Fastenzeit.

Viele Begegnungen sind derzeit von Fassungslosigkeit geprägt. Er spüre das Bedürfnis seiner Freunde nach Antworten, erzählt jemand mit polnischen Wurzeln. Viele riefen ihn an, in der Hoffnung, dass er mit seinen Erfahrungen und seinem Wissen die Situation besser einschätzen könnte. „Wie geht es weiter?“, wollen sie wissen. „Und was sagst du dann?“, frage ich. „In Wirklichkeit weiß ich es nicht“, sagt er. „Aber das sage ich nicht. Ich sage, es wird nicht so schlimm werden.“ Man erkläre das nicht nur den anderen, man erkläre das auch sich selbst. Wir essen dann noch eine Nachspeise mit vielen Kalorien.

Ablenkung durch Essen funktioniert ganz gut. Das Rezept von Sebastian Maas in der Kolumne „Kochen ohne Kohle“ auf Spiegel-Online bringt mich zum Lachen. Er schreibt: „Wenn die Schwermut mich packt, haue ich mir gern ein selbstzerstörerisches Abendessen rein, das man bei aller Liebe kaum als kulinarisch hochwertig bezeichnen kann: Tortellini mit Schmelzkäsesoße.“ Dieses Gericht sei reserviert für „Nun-ist-es-auch-egal-Tage“. Ich würde panierten Camembert und überbackene Nachos mit Cheddar vorziehen.


[SAHM7]