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Für die Menschenrechte wird engagiert eingetreten. Was sie genau bedeuten und wie sie am besten etabliert werden, vermitteln unter anderem zwei relativ junge Masterstudien.
Masterstudien

Menschenrechte studieren

Zwei im Vorjahr gestartete Master beleuchten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln.

Können Menschenrechte aufgehoben oder eingeschränkt werden? Können sie untereinander in Konflikt stehen? Und wie steht es mit den Menschenrechten im virtuellen Raum? Obwohl wir sie alle besitzen, wissen die meisten von uns nur wenig darüber. Menschenrechte umfassen meist komplexe Fragestellungen, die einer tiefgreifenden Beschäftigung mit allen darin involvierten Bereichen bedürfen.

Seit Oktober 2021 widmet sich der neue englischsprachige Masterlehrgang Human Rights an der Uni Wien vor allem dem rechtswissenschaftlichen Aspekt. „Es ist ein juristischer Master, bei dem man einen juristischen Abschuss erlangt. Wir verstehen uns aber als interdisziplinäres Programm und stehen auch Teilnehmenden aus anderen Fachbereichen offen, die sich in irgendeiner Weise mit Menschenrechten befassen“, erklärt Michael Lysander Fremuth, wissenschaftlicher Leiter des Lehrgangs und Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Grund- und Menschenrechte. Voraussetzung dafür ist allerdings die Absolvierung eines Einführungsmoduls in die Rechtswissenschaften, das einen Monat vor Studienbeginn abgehalten wird. Abgeschlossen wird nach zwei Semestern mit dem Titel LL.M. (Master of Laws).

Inhaltlich ist der Master breit aufgestellt: Die Vortragenden arbeiten bei NGOs, sind Diplomaten, Juristen, Aktivisten oder kommen aus dem wissenschaftlichen Kontext. Menschenrechte sollen hier trotz des rechtlichen Schwerpunkts von einem holistischen Standpunkt aus betrachtet werden, weshalb im Curriculum auch Lehrveranstaltungen wie die Geschichte der Menschenrechte, Gleichberechtigung oder Diversität zu finden sind. „Menschenrechte durchdringen sämtliche Bereiche unseres Zusammenlebens, sei es Wirtschaft, Politik oder Medizin. Allgemeine juristische Ausbildungen bieten aber nicht ausreichend Raum, sich in diesem Bereich zu vertiefen“, sagt Fremuth.

Übertragung in die Praxis

Auch die Praxis ist Teil des Programms, zum Beispiel, wie man das Thema Menschenrechte im Unterricht behandeln kann oder wo man diese bei international tätigen Unternehmen besonders berücksichtigen muss. Die Uni Wien bietet den berufsbegleitend konzipierten Human-Rights-Lehrgang derzeit als hybrides Modell mit Online- und Präsenzterminen an. Fremuth betont jedoch, dass es sich keinesfalls um einen abgespeckten Master handle. ECTS-Punkte und Aufwand entsprechen einem üblichen Masterstudiengang. Die Zahl der Teilnehmenden war zu Beginn überraschend hoch. „Unser Ansatz – where science meets practice – ist für viele Berufsgruppen relevant. Angefangen vom Mitarbeiter einer NGO bis hin zum Angestellten in einer international tätigen Firma“, sagt Fremuth. Durch Globalisierung und Digitalisierung sind immer mehr Unternehmen weltweit tätig, die Relevanz, sich professionell mit Menschenrechten auseinanderzusetzen, wird deutlicher und für viele auch verbindlich.

Menschenrechte durchdringen sämtliche Bereiche unseres Zusammenlebens.

Michael Fremuth, Postgraduate Center Uni Wien

Die Rechtslage spielt auch im neuen Masterstudium Applied Human Rights an der Universität für angewandte Kunst eine Rolle, jedoch nicht die wichtigste. „Wir sind kein rein rechtswissenschaftlicher Master, weil auch Menschenrechte keine rein juristische Frage sind. Unser Anspruch ist es, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vor dem Hintergrund eines interdisziplinären Diskurses zu meistern und die humanitäre Sichtweise einzubeziehen“, erläutert Jurist und Menschenrechtsexperte Manfred Nowak, der als Leiter des Studiums sowie Generalsekretär des Global Campus of Human Rights in Venedig tätig ist. Im Frühjahr 2021 gestartet, verfolgt der Masterstudiengang einen umfassenderen Ansatz, in dem auch die Kunst ihren Platz hat, das Thema der Menschenrechte nicht nur wissenschaftlich betrachtet, sondern auch künstlerisch erarbeitet wird. Inhaltlich stützt sich der Master auf eine tiefgreifende Beschäftigung mit den Menschenrechten und betrachtet sie im historischen, politischen, philosophischen, soziologischen oder auch psychologischen Kontext.

Viele Menschen erreichen

Die Kunst ist dabei eine gewichtige Komponente, die in politischen und sozialen Fragen ein wichtiges Mittel sein kann. „Über die Kunst können wir viel mehr Menschen erreichen, um auf die Wichtigkeit der Menschenrechte hinzuweisen“, erklärt Nowak. Viele der Studierenden kommen daher aus dem künstlerischen Umfeld, andere auch aus dem juristischen, psychologischen oder politikwissenschaftlichen Bereich.
Im Laufe des Studiums sollen schließlich alle Teilnehmenden das Thema der Menschenrechte mit künstlerischen Mitteln bearbeiten. Ob nun aus der Perspektive der Musik, der Malerei, mittels einer Performance oder anderer Künste, ist dabei völlig frei. Voraussetzung für den Studienbeginn ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium bzw. einschlägige Berufserfahrung sowie eine positive Bewerbung. „Wir haben Studierende aus der ganzen Welt – und das ist uns wichtig“, betont Nowak, der dabei auch auf die Stipendien hinweist.

Institutionen, Exkursionen

Neben der künstlerischen Arbeit ist auch das sogenannte Skillbuilding ein Teil der Praxis und umfasst Schwerpunkte, wie beispielsweise das Berichten über Krisengebiete, Opfer oder Täter. Nicht zuletzt sind die Exkursionen in ehemalige Konfliktgebiete von großer Bedeutung sowie das Kennenlernen der vielen in Wien ansässigen Institutionen. „Wien ist Menschenrechtsstadt, Wien ist Kulturstadt. Wien hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit und ist Headquarter vieler internationaler Einrichtungen, die die Menschenrechte betreffen“, hebt Nowak die Standortqualität des Studienangebots hervor.
Übrigens: Einen niederschwelligen Zugang für alle, die sich für das Thema interessieren, bietet die VHS Wien mit regelmäßigen Vorträgen mit Bezug auf Grund- und Menschenrechte. Die nächsten Termine: VHS Hernals am 27. April und VHS Meidling am 6. Mai.

Auf einen Blick

Die Grund- und Menschenrechte sind Thema verschiedener Masterlehrgänge:

► Am Postgraduate Center der Uni Wien widmet sich der Master Human Rights den rechtlichen Aspekten – allerdings mit Blick auf die breitere Praxis, weswegen auch Nichtjuristen (nach einen Einführungsmodul) teilnehmen können.
► Noch umfassender und unter Einbeziehung künstlerischer Herangehensweisen widmet sich ein Master an der Angewandten dem Thema.
► Einen niederschwelligen Zugang bieten Vorträge an der VHS.

("Die Presse", 2.3.2022)