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Fertigung im Baukastensystem bei „Kaufmann Zimmerei“ im Bregenzerwald.
Modulbau

Die Zukunft des Bauens ist vorgefertigt

Durch serielle Fertigung lässt sich schnell und kostengünstig Wohnraum schaffen.

Ein Blick ins architekturaffine Japan offenbart die Zukunft des Bauens: Aufgrund akuter Platznot auf der Baustelle und Parzellen im XS-Format ist der Modulbau schon seit Jahren Standard. Da Material nicht gelagert werden kann, werden vorgefertigte Raumzellen per Lkw angeliefert und vor Ort mit einem Mini-Kran zu einem Haus zusammengesetzt.

In China wurde auf ähnliche Weise schnell verfügbarer Wohnraum für Tausende Sportler aus der ganzen Welt hochgezogen, die zu den Olympischen Spielen anreisten. In Österreich und Deutschland entstanden auf diese Weise Quartiere für Flüchtlinge.

Eigenheime werden ebenfalls zunehmend in Modulen produziert. Erich Benischek, Gründer und Eigentümer der Blauen Lagune: „Das Interesse steigt massiv – von Bauträgern und Kommunen –, um möglichst schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen.“ Stark nachgefragt seien zudem seriell gefertigte Mikrohäuser: „Genböck bietet zum Beispiel ein Haussystem von 20 bis zu 66 Quadratmetern. Die Module werden mit nur einem Transport zum Bauplatz gebracht.“

Box aus dem Bregenzerwald

Eine ressourcenschonende, schnelle und bei großem Volumen günstige Bauweise – alle Parameter würden für serielles, modulares Bauen sprechen. „Im Vergleich zum konventionellen Bau ist eine Zeitersparnis von 70 Prozent möglich. Durch die Standardisierung entstehen geringe Abfallmengen. Außerdem können nachhaltige Materialien wie Holz eingesetzt werden“, erläutert der Experte. Auf den Holzmodulbau hat sich beispielsweise „Kaufmann Zimmerei und Tischlerei“ spezialisiert. Das Team realisiert im Baukastensystem unter anderem Hotels und private Wohnboxen. Ein Prototyp des Wohnmoduls „System 3“ wurde per Seecontainer sogar nach New York verschifft: für eine Ausstellung im Museum of Modern Art (Moma). Bis zu 200 Module fertigt der Betrieb aus dem Bregenzerwald pro Jahr – seit mehr als 20 Jahren. Geschäftsführer Matthias Kaufmann: „Wir kombinieren traditionelles Handwerk mit modernen industriellen Methoden – witterungsgeschützt in unserer Fertigungshalle. Die genormten Abläufe und Produktionsprozesse garantieren eine schnelle, qualitativ hochwertige, gleichbleibende und kontrollierte Ausführungsqualität.“ Durch die computergesteuerte Holzbearbeitung, die eine ganz neue Präzision ermöglicht, gewinne der Holzbau rasant an Bedeutung. „Aber natürlich ist das auch der CO32-Problematik geschuldet.“

Die Planung ist Teamwork diverser Gewerke: von Statikern, Bauphysikern, Architekten und vielen Handwerkern aus der Region. Das Ergebnis kommt schlüsselfertig vom Tieflader. „Unsere Raummodule sind mit allen notwendigen sanitären und elektrischen Installationen bestückt. Auch Bäder und Fenster sind eingebaut, Böden verlegt oder gefliest und die Wände ausgemalt. Auf Wunsch sind die Boxen auch schon möbliert und verlassen unsere Montagehalle inklusive Esstisch, Bett und Vorhängen“, erklärt Kaufmann. Bis zu 20 Module werden täglich zur Baustelle transportiert und montiert. Denk- und machbar ist alles, was auf einen Lkw passt. Die Montagezeit ist kurz: Ein 39-Zimmer-Hotel stand in drei Tagen, eine kleine Wohnanlage über Nacht. Angenehmer Nebeneffekt: Die kurze Liefer- und Bauzeit verringert die Kosten und Emissionen auf der Baustelle.

Im Dialog mit dem Handwerk

Dem Dialog verschrieben hat sich das Werkraumhäuschen – ein mobiles Modul auf einer Forschungsbaustelle im Werkraum Bregenzerwald. Entstanden ist es unter der Leitung des Architekten Wolfgang Schwarzmann in Kooperation mit lokalen Handwerkern, Lehrlingen und Architekten im Zuge der Wanderausstellung „Constructive Alps. Bauen für das Klima“. „Es handelt sich um eine Fingerübung für Spezialisten aus unterschiedlichen Bereichen. Das Ziel ist der gemeinschaftliche Austausch über nachhaltiges Bauen in der Zukunft. Unser Häuschen ist bewusst sortenrein und rückbaubar gehalten und kann als Büro oder Shop genutzt werden“, erklärt der an der Universität Liechtenstein tätige Forscher. Er ortet, dass sich immer mehr Zimmerer auf den Modulbau mit dem nachwachsenden Material spezialisieren würden: „Ein neuer Ast im Holzbau entsteht, der durch die Standardisierung Zukunft hat.“

Vorbild Container

Die Idee zum seriellen Bauen stammt vom amerikanischen Transportunternehmer Malcolm McLean, der als „Vater der Container“ in die Geschichte einging. Seine Erfindung aus den 1950er-Jahren revolutionierte den Welthandel, leitete die Globalisierung ein und veränderte die Bauindustrie.

1980 schnitten kreative Köpfe erstmals Fenster in Container – die Geburtsstunde der Baustellenbüros für Arbeiter und Ingenieure. Diese fungierten als Vorbilder für den späteren Modulbau.

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