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Bautechnologie

Auch am Bau gilt: Nichts verschwenden, wieder verwenden

In Golling entsteht ein Mehrparteienhaus, bei dem Kreislaufwirtschaft konsequent umgesetzt wird. Die Lieferanten nehmen Beton, Glas und Holz nach 70 Jahren wieder zurück. Salzburg Wohnbau forscht an Möglichkeiten, Altbeton und Altholz effizienter wiederzuverwenden.

Wird ein altes Gebäude abgerissen, kommen Altbeton und Ziegel meist als Füllmaterial zum Einsatz. Doch das Material ist eigentlich zu wertvoll, um es zum Aufschütten zu verwenden. Nach der Idee der Kreislaufwirtschaft ist das Verschwendung. Der ursprünglich verwendete Rohstoff soll seinen Wert halten – eine Betonwand wieder zur Betonwand werden. Circular Concrete (Cico), ein Forschungsprojekt von Salzburg Wohnbau und der Bautechnischen Versuchs- und Forschungsanstalt, will genau das erreichen. Der beim Rückbau von Gebäuden gewonnene Altbeton wird zu Beton in möglichst hoher Qualität wiederaufbereitet.

Ein Wohnhaus in Schwarzach war das erste Gebäude, das im Rahmen von Cico mit Recyclingbeton errichtet wurde. Rund 800 bis 900 Tonnen Beton aus dem ursprünglich dort stehenden Gebäude der Bundesforste wurden recycliert und beim Neubau eingesetzt. Beim Bau der Volksschule Anif und jener in Wals-Siezenheim konnten durch Rückbau schon 2000 bzw. 3000 Tonnen Altmaterial wiederverwendet werden, berichtet Roland Wernik, Geschäftsführer der Salzburg Wohnbau: „Unser Anspruch ist, dass bei den Projekten keine Mehrkosten entstehen und die Qualität mindestens gleich hoch ist.“ Derzeit können laut Önorm maximal 38 Prozent Altmaterial in Recyclingbeton fließen. „Unsere Versuche zeigen, dass wesentlich mehr möglich ist“, sagt Wernik. Er ist überzeugt, dass bis zu 100 Prozent Altbeton Verwendung finden könnten.

Die entsprechende Önorm zu ändern ist den Projektpartnern – Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg, Uni Salzburg, FH Salzburg, Deisl Beton und Steiner Bau – ein Anliegen.
Recycling ist aber nur der Anfang. In Golling entsteht im Rahmen von Cico das erste Gebäude in Kreislaufwirtschaft. Das Projekt denkt das Ende des Lebenszyklus des Gebäudes konsequent mit. „Unsere Lieferanten verpflichten sich, Materialien wie Holz, Beton, Glas oder Metall nach 70 Jahren wieder zurückzunehmen.“ Ursprünglich wollte Wernik 70 Prozent der verwendeten Rohstoffe in das System einbinden, mittlerweile ist schon bei 85 Prozent die Rücknahme vertraglich gesichert.

Die Rohstoffe von heute sind die Ressourcen von morgen. Ein Baustein dabei sind Ziegel aus Holzbeton, in denen zerkleinertes Altholz gebunden wird. „Beim Rückbau eines Gebäudes fällt viel Altholz an“, erläutert Alexander Petutschnigg, Studiengangsleiter Holztechnologie, Holzbau und Smart Building an der FH Salzburg. Sein Team ist Forschungspartner bei Cico. Dieses Holz, das auch im Beton gebunden ist, kann aufbereitet und zu Holzbetonziegeln weiterverarbeitet werden. Die Forschenden gehen mit den Herstellerfirmen noch einen Schritt weiter. Sie arbeiten an alternativen Bindemitteln und Klebern auf Basis des Holzinhaltsstoffes Tannin, um das jetzt übliche Polyurethan zu ersetzen. Der Kunststoff härtet rasch aus und erreicht eine sehr hohe Festigkeit – Eigenschaften, mit denen die alternativen Kleber noch nicht mithalten können. „Wir arbeiten an der Optimierung“, sagt Petutschnigg.

CO2 in Zement und Beton binden

Auch für Zementersatzstoffe – immerhin ist die Zementindustrie für sieben Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – könnte das Altholz aus Betongebäuden eine Rolle spielen. Noch einen Schritt weiter geht Salzburg Wohnbau mit der Idee, CO2 aus der Atmosphäre im Beton zu binden. Für „CO2max“ wird mit Neustark, einem Spin-off der ETH Zürich, zusammengearbeitet. Neustark hat eine Methode, um Recyclingbeton mit CO2 anzureichern. Flüssiges Kohlendioxid bildet auf den Bruchstrukturen des Recyclats einen Kalkstein. In Kürze wird in der Betonrecyclinganlage Salzburg-Sulzau eine mobile Einheit der Schweizer Partner eintreffen, um das Verfahren mit regionalem Altbeton zu optimieren. Derzeit können zehn Kilogramm CO2 auf einem Kubikmeter Beton gebunden werden. „Der Wert soll durch Entwicklungsarbeit der Neustark AG vervielfacht werden“, sagt Wernik: „Damit ist der CO2 schluckende Recyclingbeton auch interessant im Zusammenhang mit dem Handel von CO2-Zertifikaten.“

In Zahlen

38 Prozent Altbeton dürfen nach Önorm derzeit maximal in Recyclingbeton stecken. Möglich wäre aber deutlich mehr.

800–900 Tonnen Altbeton aus dem Bestandsobjekt wurden bei einem Wohnhaus in Schwarzach, Salzburg, für den Neubau verwendet.

2000 Tonnen Recyclat konnten für den Bau der Volksschule Anif aus dem Beton der dort zuvor abgebrochenen alten Turnhalle eingesetzt werden. 3000 Tonnen Recyclat waren es beim Bau der Volksschule Wals Siezenheim.