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Notlage

Die historische Massenflucht

Schon bald könnten mehr Menschen aus der Ukraine geflohen sein, als während der Flüchtlingskrise 2015/16 in die EU kamen.

Wien. Die Massenflucht aus der Ukraine trägt historische Züge: Sonntagfrüh, am elften Tag seit Kriegsbeginn, hatten bereits mehr als eineinhalb Millionen Menschen das Flächenland verlassen. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, sprach von der „am raschesten wachsenden Flüchtlingskrise in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs“. Schon kommende Woche könnten mehr Menschen aus der Ukraine in die EU geflüchtet sein, als während der Jahre 2015 und 2016 ankamen, erwartet der Migrationsforscher Herbert Brücker. Sofern die „dramatische Entwicklung“ anhalte, würde die Schwelle von 2,4 Millionen Geflüchteten übertroffen, sagte der Leiter der Migrationsforschung am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit der „Rheinischen Post“.

Anders als damals gibt es diesmal aber eine grenzüberschreitende Solidarität mit den Geflüchteten. „In diesem Krieg rückt Europa enger zusammen“, erklärte der deutsche Bundeskanzler, Olaf Scholz, am Sonntag. Dies zeige sich eben auch durch die Bereitschaft, Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen. Allerdings war von anderer Seite auch erste Kritik an Organisation und Koordination der Flüchtlingshilfe zu vernehmen.

 

Die Republik Moldau ist überfordert

Wegen der Kämpfe hatten zunächst allein rund eine Million Flüchtlinge die Grenze nach Polen passiert. Rumänien verzeichnete rund 230.000, Ungarn mehr als 160.000 sowie die Slowakei etwa 114.000 Ankömmlinge. Und in die kleine Republik Moldau sind seit Beginn des Krieges bereits mehr als 250.000 Menschen aus der Ukraine geflohen, und ein (kleinerer) Teil ist noch immer dort.

Moldau zählt offiziell 2,6 Millionen Einwohner und zu den ärmsten Ländern Europas. Präsidentin Maia Sandu bat am Sonntag ihren Gast, US-Außenminister Antony Blinken, um weitere Hilfe der internationalen Gemeinschaft bei der Versorgung der Flüchtlinge, von denen es noch mehr geben könnte, falls Putin die nahe Hafenstadt Odessa angreift. Auch in Moldau fürchten sie Putins Aggression. In der exponierten Ex-Sowjetrepublik gibt es mit Transnistrien eine prorussische abtrünnige Provinz. (red./ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2022)