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Glosse

Genervt vom Frauentag? Sie müssen doch nur wollen!

FRAUENTAG: PK OeSTERREICHISCHER FRAUENRING (OeFR) 'WANTED! FRAUENPOLITIK': FRIEBEN
Am 8. März finden traditionell Protestkundgebungen statt - auch an diesem Dienstagvormittag in Wien.APA/HELMUT FOHRINGER
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Unterschiede bei der Bezahlung, unfaire Aufteilung der Pflegearbeit. Warum auch diejenigen gefragt sind, die keine Lust auf den 8. März haben.

Der 8. März also. Schon wieder internationaler Frauentag! Falls Sie nun reflexartig die Augen verdreht und einen genervten Seufzer ausgestoßen haben, sei an einen Tipp erinnert, den man immer wieder hört: Sie müssen nur wollen! Dann könnte - das ist der naive Wunsch an dieser Stelle - irgendwann der Frauentag gar nicht mehr nötig sein.

Sie möchten, dass die Lohnschere von rund 18 Prozent (je nach Berechnung) in der Privatwirtschaft kein Thema mehr ist? Sie müssen nur wollen! Sprechen Sie mit ihrer Kollegin über Verdienste, Boni und Pauschalen. Wenn in informellen Männerrunden Absprachen gefällt werden, erinnern Sie an die Frauen. Fragen Sie sich, warum Branchen mit einem hohen Frauenanteil oft schlechter bezahlt sind.

Wenn ein Kind unterwegs ist, teilen Sie sich die Karenzzeiten bestmöglich auf. Sprechen Sie jedenfalls ehrlich darüber, wer wie lange zuhause bleiben möchte und warum - und welche finanziellen Auswirkungen es dann für die Einzelpersonen hat. Wenn der Arbeitgeber sagt, dass man Sie braucht und Sie nicht in Karenz gehen können, denken Sie daran: Bei Müttern geht es immerhin auch, dass sie für einige Zeit vertreten werden. Nur zwei Prozent der Väter in Partnerschaft gehen drei Monate oder länger in Karenz. Die Teilzeitquote der Frauen lag 2020 bei 47,3 Prozent, bei Männern bei 10,7 Prozent. Sagen Sie den Töchtern (und Söhnen), dass sie klug sind. Zeigen Sie den Söhnen (und Töchtern), wie man richtig mit Wut umgeht.

Wenn es um den Haushalt geht, die Pflege des Vaters oder der Mutter, übernehmen Sie einen fairen Anteil daran - oder überlegen ergebnisoffen, wer warum wie viel übernehmen kann. Denken Sie auch an die Organisation dieser unbezahlten Arbeit. Sie müssen doch nur wollen! Zahlen der Statistik Austria aus 2018 zeigen, dass 73 Prozent der pflegenden Angehörigen Frauen sind. Es pflegt die Schwiegertochter, nicht der Sohn.

Wenn statistisch (laut einer EU-weiten Studie 2014) jede fünfte Frau ab 15 sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt hat, fragen Sie sich nicht nur, ob eine Frau, die Sie kennen, darunter ist. Sondern auch ein Mann, der diese Gewalt ausgeübt hat. Sprechen Sie es an, wenn Sie Gewalt beobachten oder befürchten. Frauen und Kinder, die aus der Ukraine flüchten, sind besonders schützenswert. Auch in dieser Hinsicht.

Wenn Sie merken, dass das alles nicht so einfach ist: Ja, absolut! Es nur zu wollen reicht eben nicht nur. Auch deswegen gibt es den Frauentag. Um den Fokus darauf zu lenken: Was Einzelpersonen erreichen können - und was die Gesellschaft, der Staat noch schaffen müssen.