Der ukrainische Präsident ist die stärkste Waffe seines Landes. Mit Holocaust-Metaphorik mobilisiert er die jüdische Community.
Große Rhetoriker wie Ronald Reagan, Bill Clinton oder Barack Obama haben in den Hallen des Parlaments von Westminster Ansprachen gehalten. Aber keinem wurde die Ehre einer Rede im Unterhaus in London vor den Abgeordneten zuteil wie am Dienstagabend Wolodymyr Selenskij, der via Video aus Kiew zugeschaltet war. Der ukrainische Präsident erinnert viele Briten an Kriegspremier Winston Churchill und seine Durchhalteparolen sowie dessen „Blut, Schweiß und Tränen“-Rede.
Das dicht besetzte Parlament spendete Selenskij bereits vor seiner zehnminütigen Rede, in der er am Dienstagabend die bisherigen 13 Kriegstage schilderte, stehende Ovationen. Für sein Land gehe es um „Sein oder Nicht-Sein“, zitierte er das Hamlet-Zitat. Boris Johnson, der britische Premier und Churchill-Schüler, erklärte daraufhin pathetisch und in Abwandlung eines Kennedy-Zitats: „Ich bin ein Ukrainer.“ Er versprach weitere Waffenlieferungen und kündigte einen Stopp des Öl-Imports aus Russland an. Der Krieg in der Ukraine hat den Partygate-Skandal in der Downing Street einstweilen völlig aus den Schlagzeilen verdrängt.