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Ukraine-Krieg

Russlands selektive Staatspleite

Verpackte Schaufensterpuppen in einem H&M vergangenen Woche in Moskau. Werden sich angesichts der aktuellen Entwicklung in absehbarer Zeit Investoren nach Russland wagen?
Verpackte Schaufensterpuppen in einem H&M vergangenen Woche in Moskau. Werden sich angesichts der aktuellen Entwicklung in absehbarer Zeit Investoren nach Russland wagen?(c) REUTERS (STAFF)
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Ratingagenturen und Ökonomen warnen vor dem Zahlungsausfall Russlands. Dabei könnte das Land die Schulden zahlen. Aber will es auch?

Der kommende Mittwoch wird für die Finanzmärkte in zweierlei Hinsicht äußerst spannend. Einerseits tagt an diesem Tag die US-amerikanische Notenbank Fed und wird wie erwartet die Zinsen anheben. Und zweitens wird für Russland an diesem Tag der verhältnismäßig mickrige Betrag von knapp 100 Millionen US-Dollar für Zinszahlungen fällig. Da wird sich zeigen, ob Russland gewillt ist, seine Schulden im Ausland zu begleichen. Ökonomen wie der Präsident des deutschen DIW-Instituts, Marcel Fratzscher, sehen eher schwarz für westliche Investoren.

Fratzscher hält eine Staatsschuldenpleite Russlands für sehr wahrscheinlich, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Laut dem Finanznachrichtendienst Bloomberg hat Russland Staatsanleihen in Dollar und Euro von 45 Milliarden Euro zurückzuzahlen. Die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley teilte ihren Klienten bereits am Montag mit: „Wir sehen einen Zahlungsausfall als wahrscheinliches Szenario.“ Bloomberg zitiert den ehemaligen Hedgefondsmanager Jay Newman mit dem Satz: „Ich wäre schockiert – absolut schockiert“, sollte Russland nicht pünktlich seine Schulden bezahlen.

Nur 15 Prozent Staatsverschuldung

Vasily Astrov, Russlandexperte am Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), ist weder überrascht, noch spricht er von einem Staatsbankrott. Es wäre eher ein „selektiver Staatsbankrott“, sagt er im Gespräch mit der „Presse“. Denn es gehe nicht um die Frage, ob Russland seine Schulden bezahlen kann, sondern ob es das will. Die Staatsverschuldung Russlands liege bei niedrigen 15 Prozent. Und der „Nationale Wohlfahrtsfonds“, in dem Russland den Gewinn aus seinen Öl- und Gaseinnahmen bunkert, ist prallvoll. Die 640 Milliarden Dollar entsprechen einem Zehntel der russischen Wirtschaftsleistung.
Reserven eingefroren