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Allah im Wiener Kindergarten

(c) Clemens Fabry
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In islamischen Kindergärten lernen muslimische Kinder das richtige Beten. Koranunterricht gibt es vor allem deshalb, weil ihn sich die Eltern wünschen. Konzept baut auf Prinzipien von Maria Montessori auf.

Wien. In den islamischen Kindergärten Wiens werden nicht nur die fünf wichtigsten Säulen des Islams gelehrt, Deutsch und Arabisch gelernt, sondern auch Spenden für die Armen gesammelt. Was aber einen islamischen Kindergarten ausmacht, ist von Kindergarten zu Kindergarten verschieden.

Was unterscheidet aber einen islamischen Kindergarten von einem nicht islamischen? Viel ist es im Kindergarten Iqra in der Gudrunstraße in Simmering auf den ersten Blick nicht: Die Ausstattung gleicht der anderer Kindergärten. Auf den zweiten Blick ist aber doch einiges anders. Etwa eine Infobroschüre, die für Kinder und Eltern gestaltet wurde. Darin werden die fünf Säulen des Islam und die Verhaltensregeln jedes gläubigen Muslims erklärt. Der Titel der Publikation: „Ich bin Muslim“.

Mit Hilfe von einfachen Wörtern und bunten Fotos lernen die Kinder die fünf Säulen des Islam kennen: das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige Gebet, das Fasten, das Zahlen der Zakat und die Pilgerfahrt nach Mekka. Dabei sind es vor allem konkrete Beispiele, wie man sich als Moslem zu verhalten hat. Der Schlüssel zum Gebet, so liest man im Buch, ist die „Tahara“: Ein Moslem muss sauber sein und gut riechen. Geht ein Kind auf die Toilette, so kann es, um sich vor allem Bösen zu schützen, ein „Dua“ sprechen und mit dem linken Fuß eintreten. Bevor der Koran gelesen wird und es zum Gebet geht, folgt die rituelle Waschung, sie wird „Wudu“ genannt. Sind die Kinder sauber, so können sie sich vor Allah stellen und beten.

Das pädagogische Konzept des Kindergartens baut auf den Prinzipien von Maria Montessori auf – Erziehung von Kindern durch Schulung der Sinne ohne autoritären Einfluss von Erziehern. Dazu kommt ein täglicher 45-minütiger Koranunterricht. Kinder, die nicht Moslems sind, nehmen daran nicht teil und werden in der Zwischenzeit anderweitig beschäftigt.

Wesentlich weniger Koranunterricht, dafür aber viel mehr Sprachförderung gibt es im Kindergarten „Iman“ in der Billrothstraße 58. „Koranunterricht findet bei uns ein- bis zweimal die Woche statt“, erklärt die Leiterin Iman Mando, „aber nur für etwa zehn Minuten, alles andere wäre zu viel für die kleinen Kinder“.

Der Koranunterricht wird vor allem deshalb abgehalten, weil er von den Eltern gewünscht wurde. Interessant dabei: Der Anteil der österreichischen Eltern liegt über der Hälfte. Oft ist nämlich ein Elternteil Nichtösterreicher. Das spiegelt sich in den Sprachkenntnissen der Kinder wider.

 

Kurs für Betreuerinnen

„Bei uns ist es nichts Ungewöhnliches, dass die Kinder zwei- bis dreisprachig sind“, sagt Mando, „das wiederum fordert die Tanten“. Die Betreuerinnen haben in diesem Jahr einen Kurs im Ausmaß von 100 Stunden absolviert, um die Kinder besser fördern zu können. Denn der Kindergarten ist zweisprachig, neben Deutsch findet an zwei Vormittagen Arabischunterricht statt. Es sind aber noch viele andere Werte, die ein Muslim beherzigen sollte. So lernen die Kinder, dass sie ihre Eltern ehren sollen, Schwächere und Hilfsbedürftige unterstützen und sich weiterbilden sollen. Gefastet und gepilgert wird in diesem Alter noch nicht – es sein denn, die Eltern nehmen das Kind mit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2010)

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