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Ukraine-Krieg

Pro-russische Rebellen nehmen nach Moskauer Angaben Wolnowacha ein

Dieses Foto, veröffentlicht vom ukrainischen Rettungsdienst, soll Rettungskräfte nach einem Bombardement in Dnipro zeigen.(c) APA/AFP/State Emergency Service (HANDOUT)
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Eine Bestätigung von ukrainischer Seite für die Einnahme der ostukrainischen Stadt gibt es nicht. Russische Truppen bombardierten auch zivile Ziele in mehreren anderen Städten - darunter ein Krankenhaus und mehrere Schulen in Charkiw.

Pro-russische Separatisten haben am Freitag im Osten der Ukraine nach Militärangaben aus Moskau die Stadt Wolnowacha unter ihre Kontrolle gebracht. Eine Bestätigung seitens der Ukraine gab es zunächst nicht.

Wolnowacha war nach russischen Angaben seit dem 28. Februar eingekesselt. Die Truppen der "Volksrepublik Donezk" hätten die Stadt und vier weitere Ortschaften eingenommen und seien insgesamt sechs Kilometer weit in ukrainisches Gebiet vorgedrungen, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Freitag in Moskau. Die russische Armee habe ihre Angriffe ebenfalls fortgesetzt - und sei um weitere 17 Kilometer vorgedrungen.

In Charkiw wurde ein psychiatrisches Krankenhaus getroffen. Es seien 330 Menschen in der Klinik gewesen und 73 seien evakuiert worden, erklärt Gouverneur Oleh Synegubow - ohne jedoch Opferzahlen zu nennen. Er sprach von einem brutalen Angriff auf Zivilisten. Laut Bürgermeister Ihor Terechow liegt Charkiw derzeit unter ständigem Beschuss. 48 Schulen der Stadt seien zerstört worden, sagt er in einem TV-Interview. In Charkiw lebten zu Friedenszeiten 1,4 Millionen Menschen.

Laut Gouverneur Synegubow wurde Charkiw binnen eines Tages 89 Mal bombardiert. Von einem mittlerweile zum zweiten Mal im Krieg getroffenen Institut mit einem Atomlabor gehe keine Gefahr aus, sagte Synegubow. "Es gibt noch keine Gefahr für die Zivilbevölkerung", erklärte er in einer Videobotschaft. Ein Berater des ukrainischen Innenministeriums hatte am Donnerstag von der erneuten Bombardierung des Instituts berichtet.

Ukraine hofft auf Fluchtkorridor für Mariupol

Zudem seien die Luftwaffenstützpunkte in der westukrainischen Gebietshauptstadt Iwano-Frankiwsk und in Luzk im Nordwesten des Landes mit Hochpräzisionswaffen außer Gefecht gesetzt worden, sagte der Sprecher. Insgesamt seien bis dato mehr als 3000 Objekte der militärischen Infrastruktur in der Ukraine vernichtet worden, hieß es. Auch diese Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Generalmajor Konanschenkow sagte der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge auch, dass der Ring um die belagerte Hafenstadt Mariupol von den Donezker Truppen weiter zugezogen werde. Bereits am Donnerstag hatte Konaschenkow gesagt, dass mehrere Stadtteile von Mariupol eingenommen worden seien.

Die ukrainische Regierung hofft auf einen Fluchtkorridor für Zivilisten im seit Tagen eingekesselten und beschossenen Mariupol. Man hoffe, dass ein Fluchtweg noch an diesem Freitag möglich sein werde, sagt Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Bemühungen um einen solchen Korridor waren in dieser Woche mehrfach gescheitert. Mariupol liegt im Südosten der Ukraine am Asowschen Meer. Als nördlicher Zugang zu Mariupol hat das offenbar nun in russischer Hand befindliche Wolnowacha strategische Bedeutung. Auch Fluchtrouten zur Evakuierung von Zivilisten aus anderen Gebieten der Ukraine sind geplant.

Kindergarten in Dnipro getroffen

Außerdem meldete der ukrainische Rettungsdienst Angriffe auf zivile Ziele in der zentralen Stadt Dnipro mit mindestens einem Toten. Die Angriffe hätten sich in der Nähe eines Kindergartens und eines Wohngebäudes ereignet. In der Früh "gab es drei Luftangriffe in der Stadt, die einen Kindergarten, ein Apartmenthaus und eine zweistöckige Schuhfabrik trafen", erklärten die Rettungskräfte. Die Stadt mit etwa einer Million Einwohnern war bisher von größeren russischen Angriffen verschont geblieben.

Nahe Kiew haben die russischen Streitkräfte ihre Einheiten neu gruppiert. Satellitenbilder der Firma Maxar zeigten gepanzerte Fahrzeuge in Orten nahe des Antonow-Flughafens in Hostomel nordwestlich der Hauptstadt. Andere Einheiten seien in Lubjanka nördlich von Kiew eingerückt und hätten Artillerie in Stellung gebracht, teilte der US-Konzern mit. Das britische Verteidigungsministerium erklärte am Freitag, der Umbau sei "eine Neuaufstellung für neue offensive Aktivitäten in den kommenden Tagen", wohl auch gegen Kiew.

78 Kinder seit Kriegsbeginn getötet

Seit Kriegsbeginn sind nach Angaben der UNO mehr als 2,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Damit seien seit dem letzten Bericht vom Donnerstag rund 200.000 weitere Flüchtlinge hinzugekommen, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mit. Die meisten Menschen, 1,5 Millionen, sind nach Polen geflohen. Innerhalb der Ukraine seien zudem mindestens 1,85 Millionen Menschen auf der Flucht, teilt das UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit.

Der Krieg soll nach Angaben aus Kiew bereits Schäden von umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro verursacht haben. "Heute ist diese Ziffer konkretisiert worden - es sind 119 Milliarden US-Dollar (107,36 Mrd. Euro)", sagte Vize-Wirtschaftsminister Denys Kudin am Freitag laut der staatlichen Nachrichtenagentur UKRINFORM. Das Ministerium berücksichtige in seine Berechnungen sowohl direkte Schäden als auch indirekte Verluste durch den Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Laut der ukrainischen Ombudsfrau für Menschenrechte, Ljudmyla Denissowa, wurden bisher im Krieg mindestens 78 Kinder getötet. Wie viele Menschen in den belagerten Städten Mariupol, Wolnowacha und Irpin bei Kiew verletzt oder getötet wurden, könnten die Behörden wegen der dortigen Kämpfe derzeit nicht feststellen, erklärte sie.

(APA/Reuters/AFP/dpa)