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Schon mit „Tram 83“ erregte der kongolesisch-österreichische, 1981 geborene Autor internationale Aufmerksamkeit.
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Buch der Woche

Mambo tanzen unter Mobutu

Fiston Mwanza Mujila: Ein toller „Tanz der Teufel“ in den Diamantenminen Angolas und in Lubumbashi: Der in Graz lebende Autor Fiston Mwanza Mujila führt mit unverwechselbarem Rhythmus in die Diktaturjahre seiner Heimat.

Eines ist mit Fiston Mwanza Mujilas zweitem Roman klar: Er liebt das Getriebe und die Stimmung von Nachtlokalen. In „Tram 83“ war ein Lokal dieses Namens der Hauptschauplatz. In „Tanz der Teufel“ ist ein solches fast ebenso zentral: das Mambo de la fête in Lubumbashi.

In dieser Stadt wurde der seit 2009 in Graz lebende, aus der Demokratischen Republik Kongo (damals Zaire) stammende Autor 1981 geboren. Im neuen Roman setzt er seiner Heimatstadt in den Jahren seiner Kindheit und Jugend unter der brutalen Diktatur Mobutus ein Denkmal; aber wie unpassend die Denkmal-Metapher: Was Mujila schreibt, ist stets das Gegenteil von statisch, es gleicht einem bacchantischen Tanz.

Ein im Mambo de la fête oft gespieltes Musikstück, der „Tanz der Teufel“, hat diesem Roman auch den Titel gegeben (im Original „La Danse du Vilain“). Musik nämlich ist eine zweite Konstante in Mujilas Werk, ihre Rhythmen prägen seinen unverwechselbaren Erzählfluss, saugen die Leserinnen und Leser förmlich ein. Schon der 2014 veröffentlichte Roman „Tram 83“ bescherte Mujila denn auch international Aufmerksamkeit, er erhielt mehrere Preise und kam auf die Longlist des Man Booker Prize. Der neue Roman wurde bereits mit dem „Prix Les Afriques“ ausgezeichnet. Dabei hat der auf Französisch schreibende Autor nicht die leichtesten Bedingungen für eine Schreibkarriere, sitzt er doch literaturbetrieblich „zwischen den Stühlen“.

„Tram 83“ spielte in einer nicht namentlich genannten afrikanischen Großstadt. „Tanz der Teufel“ führt nun einerseits nach Lubumbashi, andererseits in die Region Lunda Norte des Nachbarlandes Angola, zu deren Diamantenminen abenteuerlustige junge Zairer ausschwärmen. Wer dort nicht bei einem der vielen Erdrutsche ums Leben kommt, kann leicht steinreich werden im wahrsten Sinne des Wortes – fast ungestört von den Angolanern, die mit ihrem Bürgerkrieg beschäftigt sind.