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Kritik

„Der Sturm“ im Burgtheater: Kasperl auf Shakespeares Zauberinsel

Maria Happel (links) als aus Mailand vertriebener Herzog Prospero im Inselexil und Mavie Hörbiger als quirliger Luftgeist Ariel.
Maria Happel (links) als aus Mailand vertriebener Herzog Prospero im Inselexil und Mavie Hörbiger als quirliger Luftgeist Ariel.Matthias Horn
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Thorleifur Örn Arnarsson inszenierte „Der Sturm“ als aparte Serie zumeist gelungener Zirkusnummern. Die Show bleibt erstaunlich flach. Der Vielschichtigkeit dieser höchst politischen Romanze wird er damit nicht gerecht.

Worum geht es in William Shakespeares Spätwerk „Der Sturm“, das er fünf Jahre vor seinem Tod geschrieben hat? Man kann darin die Bilanz seiner Theatermagie sehen. Die ist so schwer zu greifen wie ein Luftgeist, den man gefangen halten will. Eine Komödie? Eine Tragödie? Im Zweifel nennt man es Romanze. Bei „The Tempest“ steht jedoch weniger der Liebeswahn im Mittelpunkt. Es geht um harte Fakten – Macht, Machtmissbrauch, Flucht, Freiheit. Und auch schon um Kolonialismus, den die Briten eben erst als Geschäftsmodell entdeckt hatten. Das Stück spielt auf einer Insel, irgendwo im transatlantisch Wilden.

Dort wird Sklaverei und Vergangenheitsbewältigung zugleich betrieben, wird vom einst guten Leben und baldiger Rache geträumt. Vor zwölf Jahren war der Herrscher Prospero aus Mailand von intriganter Bagage vertrieben worden. Er flüchtete mit seiner Tochter Miranda und unterwarf auf der Insel mittels Zauber den einzigen menschlichen Bewohner, den angeblich barbarischen Caliban, sowie Luftgeist Ariel. Durch Zufall segeln nun Mailands neuer Herrscher und seine Verbündeten aus Neapel just am Ersatzreich Prosperos vorbei. Er sieht das, lässt Sturm aufkommen. Sie stranden, es ergeben sich tolle Verwicklungen. „Oh schöne neue Welt!“, jubelt Miranda. Sie wird folglich Königssohn Ferdinand heiraten. Angeblich geht am Ende alles gut aus: ein bisschen Strafe, Versöhnungen, Heimkehr. Prospero entsagt der Zauberkunst. Das Böse ist besiegt.