Pizzicato

Chelsea Blues

Die King's Road in Chelsea galt als einer der Hotspots des „Swinging London“ in den Sixties: chic, trendy, der Nabel der Pop-, Film- und Modewelt.

Die Kinks sangen vom „Dedicated Follower of Fashion“, von „Waterloo Sunset“ oder vom „Sunny Afternoon“. Julie Christie, die Lara aus „Doktor Schiwago“, war das It-Girl der Epoche. Sie kündeten vom Ruf der Metropole, der bis in den Orient und nach Moskau drang. Magnetisch zog es Scheichs und Oligarchen in die verheißene Stadt an der Themse.

In Chelsea haben nun aber viele den Blues – nicht, weil Spieler und Fans des Fußballklubs als „Blues“ firmieren, auch unabhängig vom sportlichen Erfolg. Unverdrossen skandieren sie den Namen ihres Bosses und Halbgotts Roman Abramowitsch, obwohl Londons Gazetten nach dessen Roter Karte durch Boris Johnson den Zerfall des „Roman Empire“ beschreiben. Im Stadion an der Stamford Bridge, nahe der King's Road, fürchten sie den Ausverkauf des „FC Chelski“ und der Söldnertruppe aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Brasilien bis zum letzten Penny.

An einem Rainy Sunday Afternoon trat Chelsea in London gegen Newcastle an, wo die Saudis unter Kronprinz Mohammed bin Salman das Sagen haben. Oligarch versus Despot: Politisch korrekten Fans blieb nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2022)


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