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Video on Demand: Das bieten Dienste in Österreich

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(c) AP (Gero Breloer)
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Filme von der Couch aus per Internet ausleihen ist bequem und auf dem Vormarsch. Die Angebote sind aber noch dünn gesät. DiePresse.com hat sich die aktuellen Dienste genauer angesehen.

Ein Trend aus den USA beginnt langsam auch bei uns Fuß zu fassen. Video-on-Demand per Internet-Stream. Was bisher eine Domäne von zwielichtigen Web-Angeboten war, ist jetzt offiziell und legal verfügbar. So startete Microsoft vor etwa einem Jahr als erster internationaler Anbieter mit seinem Zune Video Marktplatz, inzwischen hat Apple mit iTunes und Apple TV nachgezogen, und auch Sony hat einen Videodienst für seine Spielkonsole PlayStation 3 vorgestellt. Als Spezialist für österreichische Produktionen bietet sich Flimmit an. Allerdings unterscheiden sich die Angebote dann doch sehr stark untereinander, was Angebot, Qualität und Preise anbelangt.

Technisch läuft die Sache so ab: Der Film liegt auf den Servern des Anbieters. Nach Bezahlung einer Gebühr fängt der Download an. Sobald genügend Daten zwischengespeichert sind, kann die Übertragung auch in hoher Qualität erfolgen. Je nach Anbieter und Ausgangsmaterial können die Filme in DVD-Auflösung oder sogar im HD-Format 1080p zur Verfügung stehen. Je nachdem schwanken auch die Preise. Üblicherweise lassen sich die Videos nicht nur einmal ansehen, allerdings nur für einen gewissen Zeitraum. Im Ablauf ähnelt das ganze Diensten wie etwa von UPC Telekabel. Allerdings sind die hier erwähnten Dienste mit jedem Internet-Provider nutzbar.

Doch warum sollte man Streaming-Videos on Demand wollen? Sinn der Sache ist es, sich seine gewünschten Filme dann anzuschauen, wenn man gerade Zeit hat und nicht dann, wenn es das Fernsehprogramm vorschreibt. Was natürlich auch mit Aufzeichnungen funktioniert, allerdings greift bei deutschen HD-Privatsendern die Unsitte um sich, das Vorspulen von Werbung bei digitalen Aufnahmen zu unterbinden oder zeitversetzte Aufnahmen kaum zu ermöglichen. Für Filmfans bleibt also nur der Gang in die Videothek oder der Kauf von DVDs oder Blu-ray Discs. Für spontane Entscheidungen direkt von der Couch aus ist Video-on-Demand aber nicht zu übertreffen.

Zune Video: Microsofts Vorstoß

(c) Microsoft

Im Zentrum von Microsofts Strategie steht die Spielkonsole Xbox 360. Sie soll nicht nur als Zeitvertreib für Jugendliche dienen, sondern als umfassendes Wohnzimmer-Unterhaltungsgerät. Um das zu realisieren, wurde der Dienst Zune Video in Österreich vor etwa einem Jahr gestartet. Die Filme stehen entweder in DVD-Qualität oder in Full-HD (1080p) zur Verfügung. Das Angebot umfasst aktuell 311 Filme und ist fast ausschließlich auf Deutsch verfügbar. Lediglich Filme von Warner Bros. trudeln langsam als Originalfassung in den Marktplatz. Microsoft will das Angebot hier aber deutlich ausbauen.

Mit der Zune-PC-Software sind die Filme auch auf Windows-Computern verfügbar. Etwas undurchsichtig wirken die Preise. Microsoft setzt auf eine eigene virtuelle Währung, die "Microsoft Points". Das schafft leider keine allzu transparente Situation. Die Punkte lassen sich in Paketen von 400 (4,80 Euro) bis 6000 (72 Euro) erwerben. Ein Film kostet je nach Qualität umgerechnet zwischen rund vier und sechs Euro. Für die HD-Version ist eine flotte Internet-Verbindung Pflicht. Microsoft spricht von einer Downloadgeschwindigkeit ab 5 Megabit pro Sekunde. Der Film legt nach dem Kauf sofort los, die Qualität wird nahtlos angepasst, je nachdem wie flott und stabil die Verbindung ist.

iTunes und Apple TV: Geschlossenes System

(c) AP (Paul Sakuma)

Das kleine Schwarze von Apple ist derartig dezent und minimalistisch, dass es im Wohnzimmer überall hinpasst. Im Grunde bietet Apple TV zwei Funktionen: Leihfilme aus dem iTunes Store wiedergeben und bereits vorhandene Inhalte von im Haushalt vorhandenen Computern wiedergeben. Letzteres funktioniert aber nur, wenn dort iTunes installiert ist, eine standardisierte Schnittstelle wie DLNA gibt es nicht. Gesteuert wird über eine schlanke Fernbedienung oder per entsprechender App auf dem iPhone. Filme werden erst dann wiedergegeben, wenn ausreichend davon heruntergeladen wurde. Das kann allerdings eine Weile dauern.

(c) Presse Digital (Daniel Breuss)

Als Filmbibliothek dient iTunes, das nach Apples Angaben derzeit 2000 Filme umfasst. Dazu zählt das Unternehmen aber sowohl Leih- als auch Kauffilme. Letztere können aber nur per iTunes auf einem PC oder Mac erworben werden und nicht per Apple TV. Im Vergleich zu Microsofts Zune ist das Angebot an Originalfassungen deutlich größer. Aufgrund des minimalistischen Benutzerinterfaces von Apple TV ist es aber ein Ratespiel, welche Sprache man zur Verfügung hat. Die iTunes-Software auf dem Computer bietet diese Information aber. Preise werden durchwegs in Euro angegeben und reichen bei den Leihfilmen von drei bis fünf Euro für die HD-Version. Allerdings bedeutet bei Apple "HD" lediglich die kleinere Auflösung 720p.

Unabhängig: MUBI auf PlayStation 3

(c) Sony

Der jüngste im Bunde ist Sony. Dessen Spielkonsole PlayStation 3 gilt aufgrund seines integrierten Blu-ray-Laufwerks bereits jetzt als Unterhaltungsbolide. Ein Streamingdienst hat aber bis vor kurzem gefehlt. Im Gegensatz zu Apple und Microsoft bietet der Hersteller kein eigenes Filmportfolio an, sondern verlässt sich auf einen Drittanbieter. Mit MUBI steht hier ein Independent-Portal zur Verfügung, das ausschließlich Leihfilme bietet. Diese kosten 3,59 Euro, wer aber ein Monatsabo bestellt, kann für 12,99 Euro unbegrenzt viele Filme ansehen. Sony hat ein eigenes Benutzerinterface für das MUBI-Portal gemacht. Die Inhalte lassen sich aber auch über die Website mubi.com auf jedem normalen Computer aufrufen.

Während iTunes und Zune mehr auf Blockbuster und Hollywood-Produktionen setzen, regieren hier Dokumentationen oder Kunstfilme. Aber auch bekanntere Produktionen wie "Million Dollar Baby" oder "Dogville" gibt es in der Bibliothek des Anbieters. Angenehm ist die Funktion, Filme anzufragen, die in unseren Breiten noch nicht verfügbar sind. Die Betreiber des Portals versuchen dann, sich um die Lizenzen zu kümmern.

Flimmit aus Österreich: Steine im Weg

(c) Screenshot

Generell sind Lizenzen ein großes Hindernis für den österreichischen Online-Filmverleih. Aufgrund der Fragmentierung des europäischen Urheberrechts beginnen spannende Dienste wie etwa Netflix für Filme oder Hulu für TV-Serien zuerst in den USA, ihr Angebot an den Mann zu bringen. Kein Wunder, bei nur einem Rechtsraum für 300 Millionen möglichen Kunden. Mit den 27 verschiedenen Urheberrechten allein in der EU dauert das ganze viel länger.

Dennoch hat sich das österreichische Unternehmen Flimmit daran gewagt. Als Geheimtipp für heimische Produktionen existiert das Portal bereits seit 2008. Filme können hier über die Website des Anbieters gestreamt oder als Download gekauft werden. Eine Integration in eine wohnzimmertaugliche Lösung, wie etwa Zune in der Xbox, iTunes auf Apple TV oder MUBI auf der PlayStation 3 gibt es derzeit leider nicht.

Boxee Box: Der Exot

(c) Boxee

Wer keine PlayStation 3 kaufen möchte, kann MUBI aber auch auf eine andere Weise ansehen. Die Boxee Box ist eine optisch ungewöhnliche Settop-Box, die sich auf Internet-Videos spezialisiert hat. Allerdings ist das Angebot an Filmen bis auf MUBI so gut wie nicht vorhanden. Dafür lässt sich die Box, die wie ein diagonal auseinander geschnittener Würfel aussieht, hervorragend als Streaming-Gerät für Medieninhalte aus dem Heimnetz nutzen. Die zugrunde liegende Software lässt sich aber kostenlos herunterladen und auf jedem handelsüblichen PC nutzen.

 

Video on Demand in Österreich

Zune iTunes Mubi Flimmit
Aktiv seit 2009 2010 2008 2008
Filme 311 2000 435 565
Preis Leihe ab 3 Euro ab 3 Euro 3,59 Euro ab 3 Euro
HD 1080p 720p Nein Nein
Originalfassung Teilweise Teilweise Ja Ja
Kaufversion Nein Ja Nein Ja
Plattform Xbox 360, PC Apple TV, PC PlayStation 3, PC PC

Zukunftsaussichten

Streaming ist definitiv auf dem Vormarsch. In den USA hat derzeit kaum ein Anbieter von Internetboxen für den Fernseher eine Chance, der nicht Dienste wie Netflix integriert. Der Anbieter hat 17.000 Filme in seinem Programm, die auf Knopfdruck abrufbar sind. Dieses Killerfeature ist aber hierzulande nach wie vor nicht verfügbar. Schlimmer sieht es noch bei TV-Serien aus. Ein Pendant zu Hulu ist nicht in Sicht. Sollte sich an der Urheberrechts-Situation europaweit nichts ändern, wird das aber noch eine Weile so bleiben. Hier ist die Politik gefragt, wobei es seitens der EU-Kommission schon Vorstöße in diese Richtung gab.