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Human League, beständig: „Wir sind modern“

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Die Schlüsselband des Synthie-Pop ist noch immer unter uns und tritt am Freitag im Wiener Gasometer auf. Eine gewisse Konsequenz ist dieser Band nicht abzusprechen. Demnächst erscheint die Single Night People.

Wir wollten nie Avantgarde sein! Wir wollten immer Mainstream sein. Wir sind Pop!“ Mit Nachdruck vertritt Susan Ann Sulley, Sängerin der seit 1977 bestehenden britischen New-Wave-Band Human League, im Telefonat mit der „Presse“ ihre Prinzipien. Und sie betont abermals: „Ich mochte immer Popmusik. Ich höre die ganze Zeit Radio.“ Lady Gaga, das gefalle ihr, oder auch Kate Perry. „Auch wir wollten immer nur möglichst viele Leute erreichen.“ So grenzen sich Human League auch gegen Heaven 17 ab, deren Gründer sich einst von Human League abgespalten haben: „Deren Song ,(We Don't Need This) Fascist Groove Thang‘ hat nicht einmal einen Refrain! Man kann nicht dazu tanzen!“

Eine gewisse Konsequenz ist dieser Band nicht abzusprechen: Schon 1980 verblüfften Human League mit einer Coverversion von „Rock 'n' Roll Part two“, dem röhrenden Hit des Siebziger-Teenie-Stars Gary Glitter, der in den letzten Jahren nur mehr durch Strafprozesse wegen Unzucht mit Minderjährigen in den Medien war. „He's not a nice guy anymore“, weiß Sulley. Heute würden sie ihn nicht mehr nachspielen. Wie sie überhaupt keine Coverversionen mehr machen: „Wir haben selbst zu viele Songs.“

Neue auch. Demnächst erscheint die Single „Night People“, im März 2011 kommt das Album „Credo“. Worum geht es in den neuen Songs? „Um das Leben.“ Und wie klingen sie? „Nach Human League.“ Also per definitionem modern. Denn, so Sulley kategorisch: „Wir sind modern.“ Was nicht bedeute, dass sie auffällig anders klängen als einst. Nein, sie seien damals modern gewesen und seien es heute. Was sie unter „modern“ versteht, illustriert Sulley mit einem Vergleich mit U2, die ja beinahe Jahrgangskollegen sind: „U2 sind eine konventionelle Band. Es sind vier Männer. Sie spielen konventionelle Instrumente.“

„OMD sind nicht modern“

Konventionelle Instrumente, das heißt in der Sprache jener Zeit: keine Synthesizer. Diese Geräte, im Bombast- und Klassik-Rock der Siebziger gern als Superorgeln missbraucht, waren für die New-Wave-Generation konstitutionell: weil sie vorbildlich maschinell klangen, und weil sie eine neue Art von Pop-Simplizität erlaubten.

Eine andere Band aus jener Zeit, die 1978 gegründeten Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD), hat mit deutlich mehr Selbstironie ihr unlängst erschienenes Comeback-Album „A History of Modern“ genannt. Doch Sulley hat mit dem Vergleich mit OMD keine rechte Freude: „Wir haben uns nie aufgelöst! Wir haben immer weitergemacht.“ Und überhaupt: „OMD sind nicht modern.“

Was soll man dagegen sagen? Auf jeden Fall ist es für das von einer Mobiltelefonfirma gegründete „Electronic Beats Festival“, das es nun auch schon zehn Jahre gibt, offenbar kein Problem, eine über 30 Jahre alte Formation als Headliner zu verpflichten. Das Festival findet im Wiener Gasometer statt, diesem Ende des 20.Jahrhunderts revitalisierten Industriedenkmal aus dem Jahr 1896. Das passt gut – fast so gut wie der Ort, an dem Human League anno 1980 erstmals in Wien aufgetreten sind: im Museum des 20.Jahrhunderts.

Electronic Beats Festival mit The Human League, Nouvelle Vague, Róisín Murphy (DJ Set): 19.11., Gasometer Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2010)

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