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Gegengift

Im trüben Wasser wohnen die Frösche gern und quaken

Was tun bei all den Schreckensmeldungen? Hoffentlich geben zumindest Gedichte in interessanten Zeiten ein wenig Trost.

Vielleicht sind es all die bösen Nachrichten in diesem bitteren März, die uns zermürben. Vielleicht ist es auch die immerwährende Drohung von Corona mit all seinen Varianten, die uns marode macht: Selbst die Abteilung der kynischen Prosaiker im Gegengift leidet derzeit unter Klaustrophobie und Agoraphobie zugleich – ganz egal, ob die Kollegen im Home-Office oder im beinahe befremdend menschenleeren Großraum in Erdberg sitzen. Sie klagen fast metaphysisch: Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?

Hilfe kam von unerwarteter Seite. Der kleine Kreis der Lyrikliebhaber erklärte, wie man am besten mit dem zwiespältigen Gefühl umgehe, einfach mal weg und trotzdem ganz bei sich zu sein. „Lest Gedichte!“, sagten sie und reichten welche weiter, die der wanderlustige Mönch Saigyō im 12. Jahrhundert aus seiner Bergklause schrieb. Auch die Poesie von Meister Matsuo Bashō, der sich vor 333 Jahren auf schmalen Pfaden ins Hinterland aufmachte, steckten sie der traurigen Fraktion der Sachlichkeit zu.