Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Blattlinie

Als Ai Weiwei die "Presse am Sonntag" übernahm

Ai Weiwei malte für uns mit einem Pinsel „Freiheit“ auf ein Blatt Papier.
Ai Weiwei malte für uns mit einem Pinsel „Freiheit“ auf ein Blatt Papier.Die Presse / Clemens Fabry
  • Drucken

Diese Woche erscheint die Jubiläumsausgabe der „Presse am Sonntag", geduldig und großherzig gestaltet von Ai Weiwei. Sie können sich darauf freuen.

So richtig glauben konnten wir es anfangs nicht. Doch Ai Weiwei, einer der größten Kunststars der Gegenwart, sagte einfach zu. „Das interessiert mich“, meinte er Mitte Oktober in einem Wiener Ringstraßenhotel und versprach, die Jubiläumsausgabe zum 13. Geburtstag der „Presse am Sonntag“ als Gastchefredakteur zu gestalten.

Die Idee und den Termin hatten wir Elsy Lahner zu verdanken, der Kuratorin der fantastischen Ai Weiwei-Retrospektive, die seit vergangener Woche in der Albertina Modern am Karlsplatz zu sehen ist.

Ohne ihren Orientierungssinn hätten Rainer Nowak und ich auch nie zu Ai Weiweis kleinem verborgenen Landgut nahe Lissabon gefunden, wo wir unter gnädiger Jännersonne eine Redaktionssitzung im Freien abhielten.

Der chinesische Exil-Künstler und Menschenrechtsaktivist wählte die großen politischen Themen, die ihn prägen, aufwühlen und inspirieren: den Kampf um Freiheit, Demokratie und die Würde des Menschen. Vergangene Woche gaben wir der Ausgabe bei einem Treffen mit Ai Weiwei in Wien den letzten Schliff.

Es ist beeindruckend, welche Ruhe, Klarheit und Herzenswärme dieser Mann ausstrahlt. Die Zeit in chinesischer Haft und die Kinderjahre, die er mit seinem Vater im Erdloch eines Umerziehungslagers verbringen musste, haben ihn nicht gebrochen, sondern innerlich stark gemacht. Die Zusammenarbeit mit ihm war entspannt und heiter. Geduldig erfüllte er jeden Wunsch, posierte für Fotos vor dem Stephansdom, malte für uns mit einem Pinsel „Freiheit“ auf ein Blatt Papier. „Das ist ein leeres Wort“, wandte er kurz ein. „Was Freiheit ist, weiß man nur, wenn man sie nicht mehr hat.“ Wenigstens konnten auch wir ihm eine Freude in Wien bereiten: Almuth Spiegler fädelte einen Besuch im Wittgensteinhaus ein. „Das ist meine Kathedrale“, sagte Ai Weiwei ehrfürchtig, als er davorstand. Sie können sich freuen auf die Jubiläumsausgabe am 27. März.

christian.ultsch@diepresse.com