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Migranten als Schwerpunkt der rot-grünen Kulturpolitik

Migranten Schwerpunkt rotgruenen Kulturpolitik
(c) Dapd (Hans Punz)
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Auf acht Seiten wird die Kultur- und Wissenschaftspolitik der Stadt in den nächsten fünf Jahren festgeschrieben. Dabei dreht sich alles um das Thema Migration und den niederschwelligen Zugang zur Kultur.

[WIEN] „Die migrantische Realität unserer Gesellschaft muss sich jenseits der Nischen widerspiegeln. Daher sehen wir ,Migrant Mainstreaming‘ und Interkulturalität ... als eine der wichtigsten Aufgaben der Kulturpolitik.“

Es ist eine klare Ansage, in welche Richtung sich die Wiener Kulturpolitik in den nächsten fünf Jahren entwickeln soll: Migration und Integration werden unter der rot-grünen Stadtregierung zu dem bestimmenden Thema. Unter dem Leitbegriff „Migrant Mainstreaming“ (Kultureller Austausch und Gleichstellung von Migranten) soll sich laut Koalitionsabkommen in diesem Bereich einiges ändern:
•Migranten-Förderungen. Die Interkulturalität von Projekten wird als Kriterium für besondere Förderungswürdigkeit in die Förderungsrichtlinien der Stadt aufgenommen.
•Topjobs für Migranten. In den Kulturvereinen soll es künftig mehr Leitungsfunktionen für Migranten geben. Wörtlich heißt es: „Die bessere Repräsentation von Migranten in allen Bereichen der Kultur und der kulturellen Institutionen ist ein zentrales Ziel.“ Wie das konkret erreicht werden soll, lässt das Koalitionspapier allerdings offen.
Lueger-Denkmal & Co. Ein konfliktträchtiger Punkt, der noch für Diskussionen sorgen wird: Das Institut für Zeitgeschichte führt eine flächendeckende, systematische Überprüfung „personenbezogener Bezeichnungen von Verkehrsflächen“ durch. Eine Umbenennung des Lueger-Rings ist nicht in Sicht, aber Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hat Zustimmung in einem ähnlichen Fall signalisiert: Das Lueger-Denkmal könnte – nach einem Entwurf aus einem Wettbewerb – schräg gestellt werden, um auf die antisemitische Vergangenheit Luegers hinzuweisen.
Jüdische Friedhöfe. Rot-Grün verpflichtet sich zur Sanierung der jüdischen Friedhöfe in Wien.
•Kultur für sozial Schwache. Menschen mit geringer Bildung sollen niederschwellig zur Kultur gebracht werden. Deshalb werden Gratisangebote ausgebaut.
•Frauenförderung.
Der Bereich „Gender Mainstreaming“ soll weiter ausgebaut werden.
•Vereinigte Bühnen. Dort sollen mittelfristig Einsparungs- und Synergiepotenziale in allen Bereichen genutzt werden. Angestrebt wird eine schrittweise Kostenreduktion – frei werdende Mittel werden zur Finanzierung neuer kulturpolitischer Schwerpunkte genützt.
•Vorrang für Zeitgenössisches. „Damit wir in der Globalisierung unverwechselbar bleiben, werden wir verstärkt das Neue vor Ort fördern, um eine zeitgenössische, lokale Moderne zu ermöglichen“, heißt es in dem Papier.
•Kultur am Stadtrand. Ein Punkt ist die Ansiedlung von Kulturinstitutionen in Stadterweiterungsgebieten. Welche Institutionen das sein werden, bleibt offen – nachdem sich Kulturinstitutionen bisher stets gewehrt haben, an den Stadtrand zu ziehen.
•Urbane Kultur. Leer stehende Gebäude in allen Stadtteilen sollen als temporärer kultureller Freiraum genutzt werden.
•Creative industries. Künftig soll es eine stärkere Förderung und Öffentlichkeitsarbeit für Design und Mode in Wien geben.
•Wissenschaft. Forschungsschwerpunkte zum Thema Migration sollen forciert, Wien zu einem Weltkompetenzzentrum in der Medizintechnik werden.

Bisher erschienen: Verkehr 15.11., Sicherheit 17.11., Umwelt 18.11.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2010)