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Leitartikel

Im Krieg gibt es keine billigen Schnitzel

Frau kauf ein
Europa wird heuer keine großen Lebensmittelmängel erleben. Aber die Preise werden steigen.Getty Images
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Der Diktator Putin stürzt die Europäische Union in eine Kriegswirtschaft, welche den Nutzen, aber auch die Fehler ihrer Agrarpolitik akut verdeutlicht.

Zunächst die gute Nachricht nach all den schlechten: Europa wird heuer keine großen Lebensmittelmängel erleben. „Für die EU steht die Verfügbarkeit von Lebensmitteln nicht auf dem Spiel“, hält die Europäische Kommission in ihrer Analyse der Lage fest, die sie am Mittwoch vorstellen wird. „Die EU kann sich großteils mit vielen landwirtschaftlichen Produkten selbst versorgen, und sie ist ein Nettoexporteur von Weizen“, heißt es da weiter. Und das war's schon mit der Frohbotschaft. Denn hier kommt das große Aber: „Die EU ist aber ein beträchtlicher Nettoimporteur von bestimmten Produkten, die schwer (schnell) zu ersetzen sein werden, wie etwa Futtereiweiß oder Sonnenblumenöl.“ Und die Kommission warnt: „Die Leistbarkeit von Lebensmitteln für Haushalte mit niedrigem Einkommen steht sehr wohl auf dem Spiel.“

Womit die Union genau zu einer jener existenziellen politischen Fragen zurückgekehrt ist, die in den Trümmern des Zweiten Weltkrieges an der Wiege des Europäischen Einigungswerks standen, nämlich dieser: wie stellen wir sicher, dass Europa sich selbst ernähren kann? Daraus entstand die Gemeinsame Agrarpolitik, genau vor 60 Jahren übrigens. Sie erfährt seit dem Überfall des russischen Diktators Putin auf die Ukrainer eine späte Rechtfertigung. Wer erinnert sich noch an das Wehklagen über die „Butterberge“ und „Milchseen“, welche die üppig subventionierte und rasant industrialisierte Landwirtschaft produzierte? Diese Überproduktion wünscht sich niemand zurück.