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Pizzicato

Biden und Puten

Uncle Joe ist im Anflug auf Europa. In der Air Force One wird sich Joe Biden während des Transatlantikflugs gewissenhaft auf eine Premiere auf dem alten Kontinent vorbereiten.

Erstmals nimmt ein US-Präsident Platz an der Tafelrunde der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, und erstmals seit der Konferenz von Jalta 1945 auf der Krim geht es um Krieg und Frieden in Europa.

Doch Joseph Robinette Biden Jr. wird dabei nicht zuallererst Lew Nikolajewitsch Tolstoi einfallen. Er wird an FDR und JFK denken. Und über der irischen Insel, zwischen Galway und Dublin, wird den Herzens-Iren die Wehmut überkommen. Wie neulich bei einer Gala zum St. Patrick's Day wird ihm dabei eine Strophe seines Lieblingsdichters, William Butler Yeats, zufliegen, die für alle Gelegenheiten passt – für Hochzeiten wie Begräbnisse.

Biden, der einst gestottert hatte, blieb ein Nuschler wie der große Marlon Brando, der es indes zur Kunst erhob – wie in seiner Rolle im „Paten“ oder in der Grabrede des Mark Anton in „Julius Caesar“. Freunde, Europäer, Alliierte: Biden wird sie mit einem unehrenwerten Mann namens „Puten“ bekannt machen – so wie Amerikaner den Fürsten der Finsternis im Kreml-Palast aussprechen. Unweigerlich drängt sich die Assoziation zur Ober-Pute auf, zum Thanksgiving-Truthahn, der stundenlang im Rohr brät. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2022)