Vorstand und Betriebsrat stützen OMV-Chef

Vorstand Betriebsrat stuetzen OMVChef
Vorstand Betriebsrat stuetzen OMVChef(c) Michaela Bruckberger
  • Drucken

Auch Anlegerschützer Rasinger ortet lediglich „Ungeschicklichkeit“. Gerhard Roiss, der designierte Nachfolger an der Konzernspitze, meint, der Vorwurf sei „absurd und entbehrt jeglicher Grundlage“.

[Wien/APA/jaz]Einen Tag, nachdem die Staatsanwaltschaft Wien Anklage gegen Wolfgang Ruttenstorfer wegen des Verdachts auf Insiderhandel erhoben hat, konnte sich der OMV-Chef am Donnerstag über eine Reihe von Unterstützungserklärungen freuen. So stellten sich sämtliche OMV-Vorstandskollegen und der Betriebsrat der OMV hinter Ruttenstorfer. Aber auch von außerhalb des Unternehmens gab es Hilfe. So sieht Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger in der Affäre keinen großen Skandal oder beabsichtigte Handlungen, um Aktionäre zu schädigen. Es sei vielmehr ein Akt der „Ungeschicklichkeit“ gewesen, so Rasinger im ORF-Radio.

Roiss: „Der Vorwurf ist absurd“

Wesentlich deutlicher drückt OMV-Vorstand und Ruttenstorfers designierter Nachfolger an der Konzernspitze, Gerhard Roiss, seine Sichtweise über den Vorwurf des Insiderhandels aus. Dieser sei „absurd und entbehrt jeglicher Grundlage“. Er sei „erschüttert, wie leicht es in Österreich ist, eine höchst anständige Person in Misskredit zu bringen“. Und auch OMV-Betriebsratschef Leopold Abraham sagt, die Fakten würden belegen, dass sich Ruttenstorfer beim umstrittenen Kauf von OMV-Aktien „völlig korrekt verhalten“ habe. Er selbst habe sich durch Einblick in die Unterlagen davon überzeugen können.

Wie die „Presse“ berichtete, geht es bei dem Vorwurf um den Kauf von OMV-Aktien im Wert von 632.000 Euro durch Ruttenstorfer am 23. März 2009. Eine Woche später, am 30. März 2009, verkaufte die OMV völlig überraschend die Aktien der ungarischen MOL an die russische Surgutneftegas. Da diese Aktien nach der misslungenen Übernahme der MOL für die OMV strategisch wertlos waren, stieg in Folge der OMV-Kurs kurzfristig von 24 auf 26 Euro an.

Ruttenstorfer begründet den kurz zuvor getätigten Kauf von OMV-Aktien mit dem langfristigen Bonusprogramm der OMV. Laut diesem darf er die Aktien auch drei Jahre lang nicht verkaufen, er hält sie also auch noch heute. Laut Finanzmarktaufsicht (FMA) gehe es aber nicht darum, ob ein Kursgewinn realisiert wurde, sondern ob Ruttenstorfer bei dem Kauf Insiderinformationen missbräuchlich verwendet hatte.

Wann starteten Verhandlungen?

Auch diesen Vorwurf weist Ruttenstorfer zurück. Seinen Angaben zufolge sollen die Verkaufsgespräche mit Surgutneftegas erst am 26. März begonnen haben. Das von der FMA durchgeführte Verfahren kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Vertreter von Surgutneftegas bereits am 15. März am Rande einer Opec-Tagung in Wien mit OMV-Mitarbeitern zusammengetroffen sein. Dabei äußerten die Russen grundsätzlich Interesse, sich an einem Öl- und Gaskonzern in Mitteleuropa zu beteiligen. Laut OMV wurde dabei aber nicht konkret über den MOL-Anteil gesprochen.

Ruttenstorfer zeigte sich „froh“, dass er nun vor Gericht seine Unschuld beweisen könne. Der Start des Gerichtsverfahrens wird erst für das Jahr 2011 erwartet. Bis es zu einem Urteil kommt, könnte Ruttenstorfer bereits nicht mehr OMV-Chef sein – er geht per April 2011 in Pension.

Auf einen Blick

OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer erhielt am Donnerstag Unterstützung von seinen Vorstandskollegen und dem OMV-Betriebsrat. Diese bezeichneten die Vorwürfe des Insiderhandels gegen Ruttenstorfer als „absurd“. Wie berichtet, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ruttenstorfer. Ein Verfahren wird erst für 2011 erwartet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2010)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Kommentare

Ein unwürdiger Schauprozess

OMV-Chef Ruttenstorfer muss sich für ein Phantomgeschäft rechtfertigen. Vor Gericht.
WILHELM RASINGER
Österreich

Insider-Anklage: "Ruttenstorfer wohl nur ungeschickt"

Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger sieht "keinen großen Skandal" bei Ruttentorfers Kauf von OMV-Aktien. Die Faktenlage sein "sehr dünn".
International

Ruttenstorfer: „Ich trete nicht zurück“

Die Staatsanwaltschaft klagt OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer wegen des Verdachts auf Insiderhandel an. Der OMV-Aufsichtsrat will sich umgehend mit dem Thema beschäftigen. Michaelis verteidigt Ruttenstorfer.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.