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"Bombe" auf Flughafen war Attrappe von US-Firma

GERMANY SECURITY
(c) EPA (Oliver Berg)
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Während sich Deutschland auf mögliche Anschläge nach dem Vorbild Mumbai vorbereitet, wird der Fall des "verdächtigen" Gepäckstücks immer kurioser. Sogar deutsche Behörden könnten den Koffer platziert haben.

Im Fall des verdächtigen Gepäckstücks in Namibia hat der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) Entwarnung gegeben. Bei dem auf dem Flughafen von Windhuk gefundenen Gepäckstück habe es sich um einen sogenannten Realtestkoffer einer Firma aus den USA gehandelt, sagte der Innenminister am Freitag in Hamburg. Später bekannte sich die Firma Larry Copello Inc. als Hersteller des Koffers: Seine 80-jährige Großmutter habe die Attrappe verdrahtet, so der Firmengründer Larry Copello.

Diese Gepäckstücke werden verwendet, um mögliche Sicherheitsmängel aufzudecken. Wer den Koffer platziert hat, ist noch völlig unklar. Obwohl die Regierung nicht informiert war, schließt der Innenminister nicht einmal aus, dass die deutschen Behörden hinter dem Testlauf stecken. Der CDU-Politiker hält das zwar für "sehr unwahrscheinlich", will aber auch diese Möglichkeit überprüfen.

Dagegen sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft Air Namibia, der Test sei von der namibianischen Polizei initiiert worden. Polizeichef Sebastian Haitota Ndeitunga kündigte ein scharfes Vorgehen gegen die Urheber des Tests an. "Wir warnen sehr ernsthaft jedermann mit üblen Absichten, Namibia als ein Testgebiet für den Einsatz von solchen Attrappen anzusehen", sagte er. "Die Regierungen der USA, Deutschlands und Namibias waren nicht beteiligt und nicht informiert", betonte er.

Laut De Maiziere ergab eine Überprüfung des Koffers durch Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) jedenfalls, dass sich in dem Gepäckstück kein Sprengstoff befand. Für die Passagiere des Air-Berlin-Flugs nach München habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr bestanden.

Anschläge nach dem Vorbild Mumbai

Die Terror-Angst greift in Deutschland unterdessen weiter um sich, Sicherheitsbehörden befürchten Anschläge nach dem Vorbild Mumbai, wo im Jahr 2008 bei einem Terrorüberfall auf Hotels 160 Menschen starben.

"Die Szenarien, auf die wir uns im Wesentlichen vorbereiten, sind, dass Terroristen von außen in das Land kommen und bald ohne Vorwarnung in einem Gebäude oder an einem sichtbaren Platz einen Anschlag begehen, wissend, dass sie das im Zweifelsfall nicht überleben werden", erklärte der Innenminister am Donnerstag im ZDF.

Weihnachtsmärkte als Ziel von Terroristen?

De Maiziere hatte bereits am Mittwoch mitgeteilt, dass konkrete Hinweise auf Anschlagspläne von Islamisten Ende November in Deutschland vorliegen. Experten fürchten, dass Weihnachtsmärkte zum Ziel von Terroristen werden könnten. Als konkret gefährdet gelten Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet.

In ganz Deutschland wurden deshalb die Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Zum Schutz der Bevölkerung patrouillieren jetzt schwer bewaffnete Polizisten auf Flughäfen und Bahnhöfen. An Grenzen wird strenger kontrolliert. Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen sollen noch zumindest bis Jahresende aufrecht erhalten werden. Außerdem kündigte die Regierung am Freitag die Schaffung von 600 neuen Stellen bei Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Zoll an.

Grüne zweifeln Glaubwürdigkeit der Terrorwarnung an

In Berlin ist unterdessen ein Parteien-Streit über die Anti-Terror-Politik der Bundesregierung entbrannt. Der deutsche Grünen-Bundestagsabgeordneter, Hans-Christian Ströbele, hat dem Innenminister vorgeworfen, das Parlament nur unzureichend über die Hintergründe der am Mittwoch ausgesprochenen Terrorwarnung zu informieren.

Im Sender hr-iNFO äußerte sich Ströbele außerdem skeptisch über die Glaubwürdigkeit der Terrorwarnung. In den vergangenen Jahren seien schließlich immer wieder derartige Warnungen herausgegeben worden. Er habe vielmehr den Verdacht, die Regierung verstärke die Terrorangst, um die Sicherheitsgesetze zu verschärfen und die Vorratsdatenspeicherung durchzusetzen.

Diesen Vorwurf wies Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger entschieden zurück. Die FDP-Politikerin sprach sich gegen eine "politische Instrumentalisierung der aktuellen Situation für einseitige Sicherheitsgesetze" aus. Ebenso wenig will sie das vom Bundesverfassungsgericht verworfene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung in Deutschland wieder aufleben lassen.

(Ag./Red.)