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USA

Frühere US-Außenministerin Madeleine Albright gestorben

imago/APress
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Albright war von 1997 bis 2001 erste US-Außenministerin im Kabinett Bill Clintons. Sie erlag im Alter von 84 Jahren einem Krebsleiden.

Die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright ist im Alter von 84 Jahren an Krebs gestorben. Sie sei am Mittwoch im Kreis von Familie und Freunden einer Krebserkrankung erlegen, teilte ihre Familie in einer Stellungnahme mit, die über Albrights verifizierten Twitter-Account verbreitet wurde. Albright stieg unter dem demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton zur ersten Frau an der Spitze des Außenministeriums in Washington auf. Sie hatte das Amt 1997 bis 2001 inne.

Albright war eine resolute Diplomatin in einer Regierung, die zögerte, sich in die größten außenpolitischen Krisen der 1990er-Jahre einzumischen - die Völkermorde in Ruanda und Bosnien-Herzegowina. Als im April 2000 das US-Repräsentantenhaus in einer Resolution sein "tiefes Bedauern" über die Beteiligung der FPÖ an der österreichischen Regierung ausdrückte, wies Albright darauf hin, dass die Regierung "mittels einer demokratischen Wahl" zustande gekommen sei und "an ihren Taten gemessen" werden solle.

Ihre Autobiografie, die 2020 erschienen ist, trägt den Titel "Die Hölle und andere Reiseziele". Albright erklärte die Titelgebung damals so: "Der Satz 'Die Hölle hält ein Plätzchen für Frauen bereit, die anderen Frauen nicht helfen', habe ich so oft wiederholt, dass Starbucks ihn auf einen Kaffeebecher drucken ließ."

Dieser Satz fiel auch bei einer Wahlkampfveranstaltung von Hillary Clinton 2016 in Concord, einem Ort im Bundesstaat New Hampshire, drei Tage vor der Präsidentschaftsvorwahl der Demokraten. Albright erntete für ihre Worte einen Shitstorm in Sozialen Medien und bedauert auch ihre Aussage. "Frauen dazu anhalten, anderen Frauen zu helfen? Immer eine gute Sache. Einer Frau, die für einen Mann stimmt, sagen, dass sie dafür in die Hölle komme? Nicht so klug."

Bemühungen um den Kosovo

Albright war stets fürs Zupacken, selbst wenn es schiefgeht - wie im Sommer 2000, als Bush-Vorgänger Bill Clinton auf dem Landsitz Camp David mit Yasser Arafat und Ehud Barak der große Wurf eines Nahost-Friedens missglückte. Im Winter 1999 strebte die Ministerin in Rambouillet bei Paris mit einer gewagten Pendeldiplomatie zwischen Serben und Albanern eine Friedenslösung für den Kosovo an, doch führte diese Anstrengung am Ende nur zum Luftkrieg der Nato gegen Jugoslawien.

"Die Hölle" sei die Kosovo-Diplomatie, klagte sie damals. Sie entrann ihr nicht unbeschadet. Mit den Luftangriffen setzten auch anonyme Vorwürfe gegen sie ein, dass sie die Lage falsch eingeschätzt habe. Das war eine schwere Zeit für die Akademikerin und Politikerin, die von 1993 bis 1997 bereits die Supermacht als Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen in New York vertreten und durch ihren gnadenlos direkten Stil für Aufsehen gesorgt hatte. Als Ministerin eroberte sie anschließend ebenfalls im Stile einer Draufgängerin die Titelseiten der Weltpresse. Sie wurde zu einem kosmopolitischen Star, der außer Englisch auch Französisch, Russisch und Tschechisch spricht.

Einmarsch würde „Putins Ehrlosigkeit besiegeln"

Kurz vor ihrem Tod fand Albright noch harte Worte für Russlands Präsidentin Wladimir Putin, einen Tag vor Beginn des russischen Angriffskriegs. "Ein Einmarsch in die Ukraine würde nicht Russlands Weg zur Größe ebnen, sondern Herrn Putins Ehrlosigkeit besiegeln, indem er sein Land diplomatisch isoliert, wirtschaftlich angeschlagen und strategisch verwundbar gegenüber einem stärkeren, geeinten westlichen Bündnis macht", schrieb sie in einem Gastbeitrag in der "New York Times". Wenn Herr Putin sich in die Ecke gedrängt fühle, könne er sich dafür nur selbst die Schuld gegeben. Die Ukraine habe ein Recht auf ihre Souveränität, unabhängig davon, wer ihre Nachbarn sind, so Albright. "Im modernen Zeitalter akzeptieren große Länder das, und das muss auch Herr Putin akzeptieren."

Albright kam am 15. Mai 1937 als Madeleine Jana Korbel als Tochter eines tschechoslowakischen Diplomaten in Prag zur Welt. Als sie elf war, siedelte die Familie in die USA um. Während die Karriere der Politologie-Professorin geradlinig nach oben führte, wurde ihre 1959 geschlossene Ehe mit dem Journalisten Joseph Albright 1983 geschieden. Aus der Verbindung gingen drei Töchter hervor. Eine der größten persönlichen Überraschungen erlebte sie nicht lange vor dem Ende ihrer vierjährigen Amtszeit als Außenministerin im Jänner 2001: Sie erfuhr, dass sie jüdischer Herkunft war und ihre Großeltern väterlicherseits zu den Opfern des Holocausts gehörten. Ihre Eltern waren zum Katholizismus übergetreten und hatten ihr den wahren Hintergrund verschwiegen.

Nach Ende ihrer Amtszeit als Außenministerin 2001 war Albright entschlossen, den nächsten Lebensabschnitt" noch aufregender werden zu lassen" als den vorherigen. "Und so sagte ich bei allen Plänen: 'Zur Hölle - ja doch.' Sie war tätig als Universitätsdozentin, leitete eine Consultingfirma in Washington, engagierte sich für die Förderung von Demokratie und die Mitwirkungsmöglichkeiten von Frauen, reiste viel, hielt Reden und war gefragte Kommentatorin der internationalen Politik. Und erst 2020 wollte die umtriebige 84-Jährige noch keine endgültige Bilanz ziehen: "Nicht jetzt, dafür bin ich viel zu beschäftigt. Solange mich nicht der Leichenwagen fortfährt, fahre ich fort."

(APA/Reuters/dpa)