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Zehn Jahre tobte in China ab 1966 die Kulturrevolution (im Bild: Tänze der Frauengruppe der Roten Armee um das Jahr 1970).
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Familie

Als die Kulturrevolution kam: Frei - ab morgen

Es war morgens bitter kalt. So war es aber fast immer am Silvestertag. Mir macht, dachte ich gähnend, die bittere Kälte zum Glück nicht viel aus: Ich muss heute ja nicht mit den 300 Schafen ins Gebirge, das so unmittelbar mit seinem massiven Ausläufer an die Hütte grenzt, an unsere, Vaters und meine.

Vater ist nicht da. Kein Wunder. Er ist immer schon weg, lang bevor ich aufwache. Weil er ja zur Kundgebung muss. Dann steht er da, vor lauter Pfeife rauchenden Bauern. Und es geht los. Zwei kräftige Burschen zerren seine Arme auf den Rücken und danach hoch, sodass Vater sich tief bücken muss. Manchmal bekommt Vater weiche Knie. Dann treten ihm die beiden von hinten kurz in die Kniehöhlen, damit seine Beine ruckartig leise Knacks machen. Wenn man aber seine Beine nicht sieht, gleicht er in dieser Körperhaltung einem Vogel. Trotzdem nennen die Bauern hier wie auch die Leute in Peking diese Körperhaltung, in der Vater Kundgebung um Kundgebung ausharren muss, „Stil Düsenjet“.

Das müssen die Bauern von den Leuten in Peking gelernt haben. Denn in diesem kleinen Bergdorf, in das zuerst Vater und vor eineinhalb Jahren auch ich zur ideologischen Umerziehung geschickt wurden, sieht man nicht einmal einen richtigen Bus. In meinem Leben – wann bin ich geboren? 1957, 58, 59. Ich bin also dreizehn. In diesen dreizehn Jahren habe auch ich noch kein echtes Flugzeug gesehen.

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