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Medienkrieg

Unabhängige russische "Nowaja Gaseta" stellt Erscheinen ein

Archivbild aus der Redaktion der "Nowaja Gaseta".
Archivbild aus der Redaktion der "Nowaja Gaseta".APA/AFP/NATALIA KOLESNIKOVA
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Bis zum Ende des Kriegs geht auch die Website offline. Russland stuft unterdessen die Deutsche Welle als "ausländischen Agenten" ein.

Die wichtigste unabhängige Zeitung in Russland, die "Nowaja Gaseta", setzt ihr Erscheinen vorerst aus. Diese Entscheidung gelte bis zum Ende der russischen Militäraktion in der Ukraine, teilte die Zeitung am Montag in einer im Internet veröffentlichten Erklärung mit. Betroffen seien die gedruckte Zeitung, die Website und alle Aktivitäten in Online-Netzwerken.

Ein Interview mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij könnte dabei eine Rolle gespielt haben. In dem rund eineinhalbstündigen Video-Gespräch, das etwa auch das kritische Portal Meduza am Sonntagabend veröffentlichte, forderte er einmal mehr einen Abzug russischer Truppen von ukrainischem Territorium. Erst dann könne es Sicherheitsgarantien für die Ukraine geben, die wiederum Grundlage für den von Moskau geforderten Nato-Verzicht der Ukraine seien, betonte der ukrainische Staatschef.

Zu den russischen Journalisten, die das Interview führten, gehörte auch ein Reporter der bekannten Moskauer Tageszeitung "Kommersant". Zudem wurde eine Frage im Namen des Chefredakteurs der oppositionellen "Nowaja Gaseta", Dmitri Muratow, gestellt. Beide Blätter veröffentlichten Selenskijs Äußerungen nach Drohungen der russischen Medienaufsicht zunächst nicht.

Die Behörde Roskomnadsor hatte russische Medien ohne Angabe von Gründen vor einer Veröffentlichung gewarnt. In Russland darf etwa der Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine offiziell nur als "militärische Spezial-Operation" bezeichnet werden. Zudem sieht ein neues Mediengesetz bis zu 15 Jahre Haft für angebliche Falschnachrichten über Russlands Streitkräfte vor.

Das Portal Meduza, das in Russland allerdings ohnehin blockiert ist, veröffentlichte das Interview dennoch. Selenskij sagte darin auch: "Heute, in diesem Monat, hat es eine globale, historische, kulturelle Spaltung gegeben. Das ist nicht nur ein Krieg. Ich denke, es ist viel schlimmer."

Deutsche Welle als „ausländischer Agent“ eingestuft

Das russische Justizministerium stufte unterdessen die Deutsche Welle als "ausländischen Agenten" ein. Es setzte den deutschen Auslandssender auf eine entsprechende Liste von Medienorganisationen, die in Russland so bezeichnet werden und all ihre Veröffentlichungen einer gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichnung versehen müssen. Die Website der Deutschen Welle war bereits Anfang März von der staatlichen Medienaufsicht Roskomnadsor blockiert worden wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Falschnachrichten über die russische Invasion der Ukraine.

(APA/AFP/Reuters)