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Aussage von Kadyrow "zu 99 Prozent" ausgeschlossen

Ramzan Kadyrow
Präsident Ramsan Kadyrow(c) AP (Musa Sadulayev)
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Im Wiener Prozess um den Tschetschenenmord soll Präsident Kadyrow als Zeuge aussagen. Nur hat der kein Interesse daran. Sein Anwalt spricht von „Show, Farce, Lüge".

[Moskau] Andrej Krasnenkow, Kadyrows Anwalt in Moskau, hält eine Teilnahme des tschetschenischen Präsidenten an der vorgeschlagenen Videotelefonie für „wenig wahrscheinlich". „Zu 99 Prozent schließe ich das aus", sagte er auf „Presse"-Anfrage, „zu 100 Prozent kann nur Gott etwas behaupten". Und dass Kadyrow selbst nach Wien komme, sei „absolut ausgeschlossen".

Laut Krasnenkow würden er und Kadyrow die Frage einer Teilnahme an der Videotelefonie gar nicht aufgreifen. Als Grund für die Annahme, dass sein Mandant, den er gegenwärtig in einem Moskauer Gerichtsverfahren gegen die Menschenrechtsorganisation Memorial vertritt, sich über Telefon nicht werde zuschalten lassen, nannte er die Wertung des Wiener Gerichtsverfahrens als „Show, Farce und Lüge". Dort würden alle Verleumder Kadyrows auftreten und seinen Mandanten ohne Beweise anschwärzen.

In der Langversion eines aktuellen Interviews für die deutsche Zeitung „Die Welt", sagt Kadyrow selbst, er habe „absolut nichts mit den Ereignissen in Österreich zu tun. Das wissen auch diejenigen nur zu gut, die diese Lüge verbreiten. Aber indem sie den Namen Kadyrow nennen, wollen sie Fragen der Eigenreklame lösen". Zu den Anschuldigungen von Grün-Abgeordnetem Pilz, es gebe tschetschenische Todesschwadronen mit klaren Mordaufträgen in Wien sagt Kadyrow, er habe niemals absurdere Erklärungen gehört. Wenn Pilz derartige Informationen habe, solle er alles den Sicherheitsorganen übergeben. Als Präsident rufe er alle Tschetschenen in Europa auf, „dieser Propaganda nicht zu glauben".

„Niemandem droht etwas"

Ziel sei, Feindschaft und Hass gegenüber Tschetschenien zu säen. Um welche Todeslisten könne es sich handeln, wo gerade aus Österreich der Mufti Itschkeriens (so wird die Republik von Separatisten genannt) Bai-Ali Tevsiev zurückgekehrt sei und Vizebürgermeister von Grosny sowie Imam der zentralen Moschee sei? Auch Hunderte andere seien zurückgekehrt. Darunter Umar Chambijew, der Oberster Chirurg der Republik.

„Wir sammeln unser Volk. Und niemandem droht hier etwas, sofern sein Gewissen vor dem Gesetz rein ist", sagt Kadyrow: „Gegen Tschetschenien wird ein Informationskrieg geführt. Das sieht man mit freiem Auge. Die Urheber dieses Krieges nervt alles Positive, was in Tschetschenien vor sich geht. Sie wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass eine völlig zerstörte Republik wieder auf die Füße gekommen ist, dass ein Volk, das zwei schrecklichste Tragödien überlebt hat, in sich die Kraft und Weisheit gefunden hat, zusammenszustehen und einander alte Beleidigungen zu verzeihen, dass wir aufbauen, lernen, arbeiten und unsere Kultur, Wissenschaft, Literatur und Sport entwickeln."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2010)