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Bernanke verteidigt das Fluten der Märkte mit Geld

Bernanke verteidigt Fluten Maerkte
Bernanke(c) EPA (Boris Roessler)
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Langsames Wachstum, Rückgang der Inflation und eine seit Monaten hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit: Die Lockerung der Geldpolitik in den USA sei "der einzig sinnvolle Schritt", so Bernanke.

Wien/Red./Ag. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke verteidigt die jüngste Lockerung der US-Geldpolitik. Bekanntlich sieht sich die Federal Reserve nach ihrem jüngst beschlossenen Schritt, die Märkte mit weiteren 600 Mrd. Dollar (440 Mrd. Euro) zu fluten, einer neuen Welle der Kritik ausgesetzt.

Bernanke sieht in der Ausweitung der Geldmenge trotzdem das einzig sinnvolle Rezept. Das langsame Wachstum, der Rückgang der Inflation und eine seit Monaten hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit seien die Gründe für den Schritt der Fed, sagte Bernanke am Freitag laut Redetext auf dem Europäischen Bankenkongress in Frankfurt. „Bei der jetzigen wirtschaftlichen Entwicklung in den USA besteht die Gefahr, dass Millionen Arbeitnehmer viele Jahre lang nicht beschäftigt oder unterbeschäftigt bleiben. Für unsere Gesellschaft sollte dies inakzeptabel sein.“

Die Maßnahme soll die US-Wirtschaft mit billigem Geld versorgen und damit Anreize für Investitionen schaffen. Der Schritt schwächt jedoch auch den Dollar. Vor allem deshalb ist die Entscheidung sowohl in den USA als auch im Ausland umstritten. So hat Deutschland die Fed massiv kritisiert, auch China lehnt das Programm ab. Viele Länder, in erster Linie die großen Schwellenländer, fürchten, dass die Politik der Fed über Kapitalimporte zu einer starken Aufwertung ihrer Währungen führt und ihre Exporte belastet: Die USA würden so die Kosten des Aufschwungs auf andere abwälzen.

 

„Große Gefahr eines Rückfalls“

In den vergangenen Tagen hatten mehrere amerikanische Notenbanker, darunter Bernankes Vize Janet Yellen und der Chef der wichtigen Fed of New York, William Dudley, das Programm vehement verteidigt. Trotzdem kommt Gegenwind auch aus der Fed selbst. So haben in der Diskussion mehrere republikanische Finanzexperten demonstrativ gegen die Politik Bernankes Front gemacht.

In Frankfurt hält ihnen Bernanke entgegen, dass der Ankauf von US-Staatsanleihen die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt ankurbeln und gleichzeitig helfen werde, die Gefahr einer Deflation zu vermeiden. Tatsächlich wächst die weltgrößte Volkswirtschaft wieder, doch die Arbeitslosigkeit verharrt bei ungewöhnlich hohen zehn Prozent. Zudem ist die Teuerung so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr, wodurch die Angst vor einer Spirale fallender Preise bestärkt wird – was den Konsum wie auch die Investitionen hemmen und zu noch mehr Arbeitslosen führen könnte.

Der oberste US-Notenbanker nutzte den Auftritt auch, um seinerseits China und andere Schwellenländer anzugreifen. Deren künstlich niedrige Währungskurse produzierten weltweit Probleme und verursachten auf den Heimatmärkten eine Überhitzung der eigenen Volkswirtschaften. Diese Strategie berge in sich die große Gefahr eines Rückfalls – für diese Länder selbst und den Rest der Welt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2010)