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Interview

"Russland wird zu einem Entwicklungsland werden"

Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Ein Jugendlicher vor einem Moskauer Hochhaus der Stalinära.
Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Ein Jugendlicher vor einem Moskauer Hochhaus der Stalinära.APA/AFP
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Auf Russland lasten extreme Sanktionen. Aber viele Länder bieten Möglichkeiten, sie zu umgehen. Welches davon der Westen besonders im Auge haben sollte, warum der russische Rüstungssektor weiter blüht und wie sich die Weltwirtschaft nun verändert, erklärt der Schweizer Militärökonom Marcus Keupp.

Die Presse: Neben dem realen Krieg zwischen Russland und der Ukraine befinden wir uns in einem beidseitigen Propagandakrieg. Was lässt sich jenseits dessen über die Auswirkungen der Sanktionen auf Russland schon jetzt sagen?

Marcus Keupp: Bei der Versorgung der Bevölkerung besteht zwar noch kein Problem, aber ein Teil geht schon dazu über, vermehrt Vorräte anzulegen. Die Firmen in Russland, die auf den Handel mit dem Westen und Technologieimport angewiesen sind, bekommen Probleme mit der Produktion. Und ein Großteil der gut ausgebildeten urbanen Mittelschicht beginnt seit etwa zwei Wochen zu emigrieren. Aber man sollte nicht glauben, dass Russland von heute auf morgen implodiert. Das Land hat noch enorme Reserven. Und die russische Wirtschaft ist an Krisen gewöhnt.

Unterschätzen wir auch die Leidensfähigkeit der russischen Bevölkerung?

Schon der Begriff Leidensfähigkeit ist eine sehr westliche Perspektive. Es ist ja nicht so, dass Russland schon ein düsteres Imperium wäre wie gegen Ende der Sowjetzeit, wo es nur das Militär und subventionierten Buchweizen gab. Aber wir könnten wieder dahin kommen, wenn die neuen Realitäten länger als ein paar Monate anhalten. Andererseits muss man sagen, dass genügend Länder aus pragmatischen Gründen bei den Sanktionen nicht mitmachen. Russland wird den Weg über diese Länder suchen.

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