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Serienkritik

„Moon Knight“: Held mit gespaltener Persönlichkeit

MOON KNIGHT
Oscar Isaac spielt Steven Grant, der nachts auf Wanderschaft geht(c) Marvel/Csaba Aknay
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Wenn Steven schlafen geht, erwacht ein kampfeslustiger Anderer: Die Marvel-Serie „Moon Knight“ auf Disney+ spielt mit Identitäten und schöpft aus Mythen des Alten Ägypten. Sehenswert: Oscar Isaac in der Hauptrolle.

Eigentlich ist es nicht neu, dass Superhelden zwei Seiten haben. So gut wie alle unterscheiden zwischen ihrer öffentlichen Persona und ihrer privaten, ob Clark Kent/Superman oder Peter Parker/Spider-Man. Im Reporter Eddie Brock lebt der großmäulige und elastische Außerirdische Venom – mit dem er sich erst langsam anfreundet. „Moon Knight“ ist also nicht der Erste, der diese zwei Ichs voneinander wegrückt und die Verbindung zwischen ihnen auslotet: In der neuen Disney+-Serie glaubt Steven Grant (Oscar Isaac), Shopmitarbeiter in der Ägyptischen Sammlung des Britishs Museum in London, Schlafwandler zu sein. Er hat Gedächtnislücken, fühlt sich schon nach dem Aufwachen abgekämpft und müde. Dass da etwas nicht stimmen kann, merkt man schon an den seltsamen Methoden, mit denen er sich selbst von nächtlichen Wanderungen abzuhalten versucht: Ein Bein schnallt er am Pfosten seines Bettes fest, rundherum streut er Grieß und an die Eingangstür klebt er Tape.

Steven traut sich selbst nicht – und er hat Grund dazu: Eines Tages wacht er auf einer Wiese in den Alpen auf, wird gejagt und begegnet einem Guru mit mörderischem Gerechtigkeitssinn (Ethan Hawke). Er solle ihm die Kontrolle überlassen, befiehlt Steven eine tiefe Stimme (im englischen Original: F. Murray Abraham). Sobald er das tut, wacht er umgeben von Leichen wieder auf. Wer war das?

„Moon Knight“ spielt mit Identitäten und mit dem Traum, der Superhelden so anziehend macht: Dass das normale, langweilige Leben nicht das einzige ist, das man führt. Aber was, wenn man sich nicht darauf verlassen kann, dass das stärkere Ich auch das Richtige tut? „Moon Knight“ ist nicht nur mit Marvels sauberen Superhelden verwandt, sondern auch mit DCs Joker – darauf lässt die erste Szene schließen: In dieser füllt ein bereits wissender Steve Grant Scherben in seine Schuhe. Möge zumindest das Blut Spuren hinterlassen.

MOON KNIGHT
Wenn Steven Grant schlafen geht, erwacht der "Moon Knight"(c) Marvel

Setting und Dynamik der sechsteiligen Serie erinnern an „Daredevil“ aus der Zeit, in der auch Netflix noch Marvel-Geschichten produzieren durfte. „Moon Knight“ schöpft aber auch aus Mythen des Alten Ägypten, was der Geschichte einen mysteriösen und archaischen Anstrich verleiht. Sehenswert – und ob des britischen Akzents im Original hörenswert – ist Oscar Isaac in der Hauptrolle. In dieser dürfte man ihn noch öfter sehen: Die Figur des Helden mit gespaltener Persönlichkeit soll künftig auch in den Marvel-Filmen auftreten.

 

„Moon Knight“, sechs Folgen, die von Disney+ immer mittwochs im Wochenrhythmus veröffentlicht werden