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Targeted Victory

Wie Facebook sich TikTok vom Hals schaffen wollte

Ukrainian TikToker flees country after Russian invasion
REUTERS
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Um von sich und den Datenschutz- und Kartellproblemen abzulenken und wohl auch um junge Nutzer zurückzugewinnen, engagierte der Facebook-Konzern eine Agentur für eine beispiellose Schmutzkampagne.

Facebook ist mit knapp drei Milliarden Nutzern das weltweit größte Soziale Netzwerk der Welt. Doch die User werden immer älter, die Jungen haben in TikTok ein neues Zuhause gefunden. Das will der Zuckerberg-Konzern so nicht hinnehmen und hat in den USA Berichten der Washington-Post zufolge eine Agentur für eine große Schmutzkampagne bezahlt, um den Konkurrenten aus China ins schlechte Licht zu rücken.

Wie die Washington Post am Mittwoch unter Berufung auf interne Mails berichtet, wurde die Beratungsfirma Targeted Victory damit beauftragt, die beliebte Videoplattform TikTok in Verruf zu bringen. Die Agentur bestätigte die Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern Meta und bestritt dabei die Negativ-Kampagne nicht. Auf Twitter meldete sich der Chef Zac Moffat, dessen Agentur konservativen Republikanern zugeschrieben wird: "Wir sind stolz auf unsere Arbeit, die Gefahren von TikTok hervorzuheben." Die Arbeit von Targeted Victory werde von der Washington Post aber falsch dargestellt.


Klassisches Dirty-Campaigning

Die Arbeit umfasst dem Bericht nach die Platzierung von Kommentaren und Leserbriefen in großen regionalen Nachrichtenagenturen. Leserbriefe von angeblich besorgten Eltern wurden ebenfalls in die Redaktionen geschickt. Ähnliche Vorgehensweisen kennt man aus Wahlkämpfen in den USA und mittlerweile auch Europa. Im aktuellen Fall soll Targeted Victory auch nicht davor zurückgeschreckt sein, Challenges zu erfinden, um damit auf die Gefahren für Kinder hinzuweisen. So wurden Challenges, Vandalismus an Schulen zu betreiben, oder Lehrer zu schlagen, TikTok zugeschrieben, obwohl solche Aufrufe auf der Plattform nicht existieren. Dabei zeigten Untersuchungen der Washington Post, dass diese tatsächlich auf Facebook ihren Ursprung haben.

Dabei hätte sich die Beratungsfirma keine eigenen Challenges einfallen lassen müssen. Es gibt genügend Beispiele, in denen vermeintlich lustige Aufrufe zu gefährlichen Situationen für Kinder führen können. In Italien starb ein Mädchen, weil es an der sogenannten „Blackout"-Challenge teilnahm. Erst kürzlich sorgte ein neuer Trend für Kritik: Es tauchten vermehrt Videos junger Männer auf, die detailliert beschrieben, wie sie Frauen bei einem Date ermorden würden.

„Wir denken, alle Plattformen sollten einer Überprüfung unterliegen“ 

Dennoch birgt es nicht einer gewissen Ironie, dass Meta sich nun zum Wächter über die psychische Unversehrtheit der jungen Nutzer aufspielt. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte Meta zu den Vorwürfen über die Schmutzkübelkampagne: "Wir denken, alle Plattformen sollten einer Überprüfung unterliegen, die ihrem wachsenden Erfolg entspricht." Dabei ist die Überprüfung der eigenen Versäumnisse und Fehler längst nicht abgeschlossen. Steht doch der Konzern nach wie vor in der Kritik, dass es bewusst die Gefahren für junge Mädchen auf Instagram ignoriert habe. Wie die ehemalige Mitarbeiterin Frances Haugen vor dem US-Kongress mit Tausenden Seiten belegen konnte, hat der Konzern die Monetarisierung über die psychische Gesundheit ihrer jüngsten Nutzer gestellt.

Es war aber auch Ziel des Unternehmens, von den eigenen Problemen abzulenken. Targeted Victory muss „die Botschaft verbreiten, dass Meta zwar der aktuelle Boxsack ist, TikTok jedoch die wahre Bedrohung darstellt, insbesondere als ausländische App, die die Nummer 1 beim Austausch von Daten ist, die junge Teenager verwenden“, zitiert die Washington Post aus einer E-Mail zwischen der Agentur und Meta. Zudem wurden die Mitarbeiter von Targeted Victory dazu aufgerufen, die Bekanntheit von TikTok zu nutzen, um von Metas eigenen Datenschutz- und Kartellbedenken abzulenken.

(bagre)