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Lokalkritik

Testessen im Made in sud

Das Made in sudChristine Pichler
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Das Made in sud addiert apulischen Schmäh, exzellenten Fisch und Pasta zu einem Ausflug gen Süden.

Auch nach dem Tod von Alberto ­Stefanelli schickt die Präsentierlaune große Platten mit ofengeschmortem Schwein durchs Lokal, die Vorhut bilden Dinge wie Salumi, Platten mit fadendünner Zitronenpasta, frittierte Zucchiniblüten . . . Das Caffè Bacco in der Margaretenstraße in Wien Wieden lebt auch ohne den charismatischen Patron weiter. Dass Stefanellis Urlokal gegenüber, mit dem er in Wien als Weinhändler gestartet hat, mit mediterraner Küche und ebensolcher Unterhaltungskunst wiederbelebt wird, sollte der Toskaner nicht mehr erleben.

Auf Nummer 36 ist das Made in sud eingezogen. Hinter der breiten Fensterfront reihen sich Olivenölkanister aneinander, Bündel von Tropeazwiebeln und Piennolo-Paradeisern machen klar: Hier geht’s süditalienisch zu. Der Gastraum hat das Format einer Schuhschachtel, die Regale mit Weinflaschen, Pasta, Paradeissauce (alles zu kaufen) geben dem Raum die Anmutung einer Bibliothek. Bibliotheksstille herrscht hier aber nicht. Im Gegenteil. Der Apulier Francesco Tedesco, seine charmant (berufs-?)heisere Stimme, sein Schmäh sind omnipräsent. Tedesco hat nach eigenen Aussagen 27 Lokale miteröffnet, etwa das Procacci Singapur, außerdem war er in zahlreichen Wiener Lokalen im Service, von der Osteria d’Atri bis zum Umar. Gästen, die ihm im Made in sud einen Schanigarten ans Herz legen, sagt er: „Gern, hier sind die Schlüssel, ich bin im Sommer drei Monate in Italien.“

Dezenter das Auftreten des zweiten wichtigen Mannes hier: Der Kroate Ante Makelja, zuvor unter anderem im Kornat, ist ein ebenso großartiger wie bescheidener Koch. Sein leises, interessiertes Lächeln lugt manchmal in den Gastraum, als ob es fragen wollte: „Mögen die Gäste das Essen?“

Herausragende Fischqualität

Was es gibt, verraten Tedescos Stimme und eine täglich geänderte Tafel, die keine Preise anzeigt. Das ist beileibe kein Grund zum Fürchten: 39, 49 oder 59 Euro für das Menü. Makeljas Küche lebt zu einem großen Teil von der herausragenden Qualität des Adria-Meeresgetiers, das ihm Gastro Fisch Brač mit Sitz in Split liefert. Ein Muss ist die kalte Fischplatte mit wechselnder Besetzung, vor allem Rohware wie Seeigel, Kaisergranat oder Rotbarbenfilet – Prädikat außergewöhnlich.

Die kalte VorspeisenplatteChristine Pichler

Für frische Pasta ist  – Tedesco brüllt ihr quer durchs Lokal Komplimente zu – eine Tante zuständig, die mit N’duja und Scamorza gefüllten Ravioli gehören in jedes Pastaschulbuch. Schwarze Tagliatelle werden von Jakobsmuscheln und Bottarga bedeckt, Prachtmiesmuscheln suhlen sich in Kupfertöpfen im Sud, und die exzellent gegrillte, nur zart mit Paradeissauce bestrichene Rotbarbe weiß wohl, dass jede Beilage neben ihr blass aussehen würde.

Made in sud

Margaretenstraße 36, 1040 Wien, Tel.: +43/(0)1/952 23 45, Restaurant: Di–Sa: 11–22  Uhr.