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Mein Samstag

Wenn Perser über Weststeirer lachen

Die Welt ist klein – auch beim Witzeerzählen, wo erstaunliche kulturelle Übertragungen passieren.

Kommen ein Burgenländer, ein Ostfriese und ein Mühlviertler in eine Bar. Würden sie einander Witze erzählen? Oder kennen sie eh schon alle? Was Randgruppenwitze und Nachbarvolkschmähs angeht, ist die Welt ja ziemlich geeint: Irgendeine Region, deren Bewohner man als ein bisserl rückständig und begriffsstutzig darstellt, gibt's immer. Die Burgenländer lachen über die Steirer, die Steirer über die Kärntner, die Rumänen über die Ungarn, die Perser über die Türken, die Schweizer über die Österreicher, alle zusammen über Blondinen – und das mitunter mit denselben Witzen, da funktioniert das Recycling einwandfrei.

Interessanter sind ja jene Witze, die einer Gruppe nicht nur eine allgemeine Deppertheit unterstellen. Die Iraner sind da besonders spezifisch, wie aus den Witzerunden mit meinen Verwandten immer wieder hervorgeht. Es gibt zum Beispiel die Leute aus der Stadt Rascht, denen nachgesagt wird, dass die Ehefrauen dort ständig ihre Männer betrügen, was diese tolerieren oder gar nicht mitbekommen würden. Bei einem so speziellen Stereotyp kommt man mit dem alten „Wie viele Leute für eine Glühbirne“-Schmäh natürlich nicht weit. Ein Raschti-Witz geht so: Ein Mann kommt nach Hause und findet seine Frau nackt im Bett vor. „Schatz, warum liegst du im Bett?“, fragt er sie. Ihre Antwort: „Ich hab mich nicht so gut gefühlt.“ „Und warum hast du nix an?“ „Ich hab ja nichts zum Anziehen!“ „So ein Blödsinn“, sagt der Mann und öffnet den Kleiderschrank: „Rotes Kleid, blaues Kleid, hallo, Hassan, gelbes Kleid . . .“

Wobei offenbar auch so etwas problemlos kulturell übertragbar ist. Neulich habe ich denselben Witz in einer weststeirischen Version gehört. Sagt man den Weststeirern Ähnliches nach? Ich weiß es nicht. Das Ende gefällt mir besser, da sagt der Mann: „Do a Kloadl, no a Kloadl, servas, Koarl . . .“ Kloane Wöld.

E-Mails an: katrin.nussmayr@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2022)